Schlagwort: Ameisen

346. Kalenderblatt 12. 12. 2025

Die Pandemie der Schutzengel

Als die für die Sektion Westeuropa zuständigen Schutzengel die Mauser gerade glücklich überstanden hatten, bemerkte der Engel Federweißer, wie es sich kleine Tierchen in seinem Gefieder gemütlich machten. Federlinge, so eine Art Läuse, Insekten jedenfalls. Sofort meldete er seine Entdeckung dem Erzengel Federfuchser, welcher augenblicklich eine Pandemie ausrief. Als sich auch noch Motten zu den Federlingen gesellten, wurden die meisten Engel schnell dienstunfähig, flügellahm sozusagen. Die größte Katastrophe in der klerikalen Luftfahrt, der Supergau. Die Menschen Westeuropas waren ihrer Schutzengel beraubt. Sie verfielen daraufhin dem Wahnsinn. Besonders betroffen war die Sub-Region Deutschland. Doch den Engeln erging es nicht besser. Sie verloren nach und nach ihre Federn und büßten dadurch auch ihre Unsichtbarkeit ein. Die Engel stürzten ab, lagen am Boden wie totes Geflügel und landeten als Brathendl auf dem Münchner Oktoberfest.

Hatte der Leser sich Engel größer vorgestellt? Er möge bedenken: Sämtliche Vertreter überlegener Zivilisationen sind irgendwie zwergenhaft, haben einen Hang zum Diminutivum, wie die Engel, wie die kleinen grünen Männchen aus dem All, wie die Ameisen und Termiten. Und die Götter? Die kann man nicht einmal unter dem Mikroskop erkennen.

329. Kalenderblatt 25. 11. 2025

Gestern in der Früh um 06 Uhr dreizehn. Staatsschutz und Kriminalpolizei stehen vor der Tür. Kommissar Kalauer leitet die Aktion. „Von der Meldestelle der rückseitig – sprich am Hintern – bewarzten, scheelsichtigen Antifaschisten erhielten wir die Information, dass in Ihrem urwaldähnlichen Gestrüpp, das Sie vermutlich auch noch als Garten bezeichnen, ein Ameisenbär gesichtet wurde. Ein äußerst Besorgnis erregender Vorfall, unser Boss King Kong Haldenwong hat ihn zur Chefsache erklärt“, sagte Kommissar Kalauer.

„Ja“, sagte ich, „in der Tat, der Ameisenbär, der war hier, ein Delegitimierer des Ameisenstaates. Aber ich habe ihm gesagt: ‚Wir haben keinen Wirsing, wir haben nur alte Schuhe. Außerdem habe ich vier Leichen im Garten vergraben.“

„Zeigen Sie uns die Plätze, wo diese Leichen liegen. Wir können ja nicht den ganzen Urwald hier roden.“

„Ich kann Ihnen die genauen Orte nicht bezeichnen“, sagte ich, „die Leichen waren weder in Särgen noch in Leichensäcken verpackt, und solche Leichen vagabundieren ziellos im Erdreich herum. Wussten Sie das nicht?“

„Nein, und woher haben Sie dieses Wissen?“

„Aus den Regularien des Tinnitus von Hopfen und Malz.“

„Dann muss ich leider die Ameisen befragen“, erklärte Kalauer, „deren Aussagen, verbunden mit dem Husten der Flöhe sowie Gewebeproben der Aaskäfer in Ihrem sogenannten Garten können Sie schwer belasten. Darüber sind Sie sich doch wohl klar.“

„Die Aaskäfer in meinem Garten“, erklärte ich, „sind ausnahmslos Vegetarier, und die Ameisen schlafen schon, es ist ja bereits Ende November. Kommen Sie im nächsten Frühjahr wieder.“ Ich bin gespannt, ob sie wiederkommen werden!

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