Kategorie: Erlesener Schwachsinn (Seite 1 von 5)

Blatt 199 Achtzehnter Juli 2026

Fortsetzung der Geschichte eines böhmischen Edelmannes aus einem böhmischen Dorf.

Das Skelett des böhmischen Edlen Böhmermonk wandte sich also nach links, sein Sarg aber nach rechts. So drifteten sie auseinander, um sich zu finden. Die Bequemlichkeit, um nicht zu sagen Faulheit, die sowohl jedem Toten als auch jedem Totholz zu eigen ist, ließ sie auf die Idee kommen, sich zu motorisieren. Also steuerten beide eine Fahrschule an, um dort den Führerschein zu machen. Dem böhmischen Edlen Böhmermonk, der schon zeitlebens ein Aas gewesen war, war entgangen, dass ihm einige Knochen abhanden gekommen waren. Konnte Böhmermonk überhaupt noch als Aas gelten? Da er nur noch ein Skelett war, das seine Knochen nicht mehr alle beisammen hatte? So wie er zu Lebzeiten seine Tassen nicht mehr alle im Schrank hatte? Wir werden diese philosophische Frage später in dieser Chronik behandeln. Nebenbei bemerkt, auch sein Sarg, in welchem der Holzwurm mümmelte, hatte nicht mehr alle Späne beisammen und verlor immer mehr an Substanz, während er auf seinen hölzernen Füßen durch die Straßen der Stadt watschelte.

Fortsetzung folgt an einem der nächsten Tage

Blatt 197 Sechzehnter Juli 2026

Fortsetzung der Geschichte eines Aases

„Pardon“, sagten die Ratten, „wir fressen kein Aas.“ Da ließ das Aas seine Kiefer klappern wie eine Spanierin ihre Kastagnetten, was bewirkte, dass ein kraftstrotzender Fluch aus diesen Kiefern kam, der die Fetzen von den Knochen fallen ließ. Nun aber schämte sich das Aas Böhmermonk, das noch nie Scham empfunden hatte, seiner Nacktheit und wollte sich wieder in seinen Sarg kleiden. Da die leeren Augenhöhlen nur noch über ein rudimentäres Sehvermögen verfügten, kam es, dass der böhmische Edelmann Böhmermonk aus einem böhmischen Dorf schlackernd in eine Richtung davonklapperte, die entgegengesetzt zu der Richtung lag, die sein Sarg eingeschlagen hatte, dem hölzerne Füße gewachsen waren, so dass er weder Rollen noch Schienen benötigte, um auf Wanderschaft zu gehen. So machten sich beide auf die Suche, um das wieder zusammenzufügen, was zusammengehörte.

Fortsetzung folgt in den nächsten Tagen

Blatt 196 Fünfzehnter Juli 2026

Ein Erdbeben, dessen Epizentrum genau unter einem Friedhof lag, bewirkte, dass die Erde vorzeitig das ausspie, was wieder zu Staub werden sollte. Gestank ausrülpsend öffnete sich ein alter wurmstichiger Sarg und heraus kletterte ein mit fauligen Fleischresten befetztes Aas. ‚Ach wie sehe ich hässlich aus, mit den Fleischfetzen, die noch an meinem Skelett kleben! Und dieser fürchterliche Gestank!‘ sagte sich das Aas und schämte sich … nicht. Ein Aas kennt weder Ehre noch Scham.

Einmal Kotzbrocken … immer Kotzbrocken, so ist das nun einmal. Denn schon zu Lebzeiten war Herr Böhmermonk, ein böhmischer Adliger aus einem böhmischen Dorf, ein Aas!

Eine Abteilung von Grab zu Grab vagabundierender Aaskäfer patroullierte zu Füßen des Herrn Böhmermonk. „Nagt mich sauber!“ verlangte Böhmermonk. „Pardon, wir sind Vegetarier“, sagten die Aaskäfer. „Scheiße!“ fluchte das Aas und wandte sich an die Maden, die in seinem aasigen Fleisch gemümmelt hatten. „Ihr Würmer“, sagte das Aas, „vollendet nun, was ihr begonnen habt, beeilt euch, nagt mich sauber!“ „Pardon, wir sind satt“, sagten die Maden. Blieben als letzte Hoffnung Böhmermonks nur noch die Ratten?

Fortsetzung folgt

Blatt 195 Vierzehnter Juli 2026

Der alltägliche banale Wahnsinn, der sich zum größten Teil aus der Kloake Berlin speist, hat erst einmal Pause. Reserve hat Ruh! Hoffen wir für immer! Wir wollen die parlamentarische Sommerpause nicht mit banalem, sondern mit exquisitem Schwachsinn füllen, denn dieser Kalender soll ja eine Plattform bieten für Satire, groteske Kriminalfälle und exquisiten Schwachsinn, und letzterer ist ja in diesem Jahr bislang viel zu kurz gekommen. Vergessen wir nicht, das tägliche Maß von einer in einem tieferen Sinn wurzelnden Absurdität ist für die psychische Gesundheit unabdingbar. Jetzt haben wir uns schon länger als geplant mit der Vorrede aufgehalten, also starten wir die projektierte Geschichte am morgigen Mittwoch, sofern nicht die Realsatire wieder ihr hässliches Haupt erhebt und die Pläne über den Haufen schmeißt. Fundgruben an groteskem Schwachsinn bieten die Romane:

‚Zaungast und die Herrschaft der Ampelaner‘ oder ‚Von der Pandemie zur Pandämonie‘

‚Zaungast und der Kosmokrator‘

‚Zaungast jagt Kaiser auf der Wurst‘

‚Zaungast ermittelt in der Pattstraße‘

‚Zaungast und die Klerikiller‘ (momentan nicht im Buchhandel erhältlich)

Blatt 181 Dreißigster Juni 2026

Aller schlechten Dinge sind drei! Erfurt und Ratten zum Ersten (siehe Blatt 178), zum Zweiten (siehe Blatt 180) Erfurt und Ratten zum Dritten.

Er ging den Boulevard entlang gleich einer wandelnden Zigarre. Aufrecht und im Smoking. Rauch waberte aus seinen Nüstern, seinen Ohren, seinem Mund, Hintern und allen Poren. Der aufrechte Gang behagte ihm nicht, wie alles Aufrechte, so sank er in die Gosse und watschelte auf allen Vieren weiter, gleich einer auf der Straße rollenden Dampflokomotive, denn er qualmte nicht nur munter weiter, sondern pfiff auch noch aus dem vorderen und dem hinteren Loch. An einem Gullydeckel stoppte er seinen Hand- und Fußmarsch. „Alles einsteigen! Freie Fahrt nach Erfurt!“ rief er im behördlichen Befehlston. Und da kamen Ratten aus der Kloake gehuscht und krochen ihm in die Taschen. Auf zur nächsten Tour de Farce!

Blatt 179 Achtundzwanzigster Juni 2026

Gestern war Siebenschläfertag. Aus diesem Anlass nun das verkürzte Porträt des Siebenschläfers aus ‚Fletcher’s Kleines Wirtschaftsbestiarium‘, demnächst auf der Frankfurter Buchmesse sowie im November auf der Buchmesse Wien.

‚Er bettet sich zur Ruhe mitten in den Dürrezeiten der Rezession und hofft und vertraut darauf, nach sieben Jahren im Schlaraffenland wieder zu erwachen. Weder das Husten der Flöhe noch das Knurren des Bären, nicht einmal das Schnauben des Bullen vermögen ihn in seiner Ruhe aufzustören.

Börsenguru A. Kostolany, der als erster das Verhalten des Siebenschläfers beschrieben und zur Nachahmung empfohlen hatte, vertrat mit Nachdruck die heute nicht mehr unumstrittene These, dass sich die gehorteten Vorräte der überwinternden Siebenschläfer auf wunderbare Art und Weise zu vermehren pflegen. Blickt man zurück in die Vergangenheit, so findet man des Siebenschläfers Strategie oftmals bestätigt. Ob er auch in Zukunft noch erfolgreich sein wird, obliegt dem unerforschlichen Walten der Evolution.‘

Blatt 161 Zehnter Juni 2026

Mickey Mouse, Donald Duck, Goofy, Miss Piggy, Fred Feuerstein, Barney Geröllheimer und Spongebob Schwammkopf; die geistige Elite Germanistans, versammelt sich heute zum großen Gipfeltreffen auf dem Schuldenberg, dem höchsten Berg Deutschlands. Sie wollen weitere Möglichkeiten zum Abstieg ausloten und zeigen sich ihrem Volk von unbezwingbarem Schaffensdrang. Aber hinter dem Scheingebaren konzentrierten Arbeitens tauschen sie lediglich Unhöflichkeiten und Nichtigkeiten aus. Sollten sie dennoch irgendwelche Hirngespinste ausbrüten, so werden diese sinnloser und grotesker als jeder Traum ausfallen. Damit werden sie neues Öl in das Feuer des Zorns ihrer Bürger gießen. CDU, SPD, DGB … aus diesem Misthaufen kann weder Gutes noch Nahrhaftes erwachsen!

Wie angekündigt, hier einige Worte mit aktuellem Bezug aus ‚Von der Pandemie zur Pandämonie‘: Voila, die Inkompetenz, eine Vertreterin des politischen Hochadels. Trotz ihrer verkrüppelten Hände hatte sie sich eine Geige unter die Backe geklemmt und hobelte eine Dissonanz nach der anderen von den Saiten herunter. „Sie bedient die Arschgeige“, bemerkte Zaungast spöttelnd.

Blatt 159 Achter Juni 2026

Der politische Betrieb, namentlich in Deutschland, produziert Schwachsinn am Fließband, während anderen Ortes die Bänder zum Stillstand kommen. Der Zyniker kann die Themen auflesen wie das Kind aus dem Märchen die Sterntaler. Dadurch kommen die Rubriken ‚Erlesener Schwachsinn‘ und ‚Groteske Kriminalfälle‘ in diesem großartigen Kalender zu kurz. Um dem abzuhelfen erscheinen an dieser Stelle in loser Folge einige Zeilen mit aktuellem Bezug aus der Kriminal- und Politgroteske ‚Von der Pandemie zur Pandämonie‘ oder ‚Zaungast und die Herrschaft der Ampelaner‘, beginnend in dieser Woche, sofern nicht ein neuer Schildbürgerstreich die ganze Aufmerksamkeit des Satirikers absorbiert. Hier schon mal eine kleine Kostprobe:

Als Friedrich der Gernegroß war er einst angetreten, hatte am Black Rock nach Gold und Silber geschürft, und sich dann hinter die sieben Berge, da wo seine Brandmauer steht, in die Verzwergung begeben. Nun ist er nur noch das kleine Fritzchen, das am Rockschoß des großen, doch leider hohlen King Beil auf von den Ampelanern ausgetretenen Pfaden wandelt.

Blatt 139 Neunzehnter Mai 2026

Fortspinnung der verrückten Geschichte

Zaungasts Vermutungen zielten ins Schwarze und trafen ins Schwarze. Aber weder in Dunkle Materie noch in Dunkle Energie, auch nicht auf einen Dämon. „Der Schrank ist ein verzwergtes Haus“, erklärte der Kommissar. „Es war ursprünglich ein Gebäude, ein Haus, das beschränkt wurde. Und eingeschränkt. So verzwergte es sich zum Schrank. Zum Schrank der leeren Versprechungen, leer wie der Schrank; zum Schrank der hohlen Phrasen, hohl wie der Schrank; zum Schrank der Immobilität, des Stillstands. Zum Schrank bürokratischer Schranken und Beschränktheit. All das lastet schwer auf dem Fundament, auf dem Boden, auf welchem er steht. Deshalb lässt sich das Ding nicht bewegen. Dieser Schrank war ursprünglich das Gebäude der deutschen Demokratie. Um Beschränkungen und Beschränktheit des Schrankes aufzheben, benötigt es wohl eine Revolution, Neuwahlen werden nicht reichen, anderenfalls wird sich das einst so stolze Gebäude noch vom Schrank zum Sarg verzwergen. Und dieser Zeitpunkt scheint mir nicht mehr weit. Schnelles Handeln tut also Not. Aber das ist nicht Aufgabe der Polizei. Auf Wiedersehen.“

Blatt 137 Siebzehnter Mai 2026

Fortsetzung der verrückten Geschichte vom fünfzehnten Mai

Die Verstärkung in Gestalt zweier Hünen traf ein. Der Vormann des Möbelpackertrupps, genannt Ali Baba, sowie ein weiterer Kollege. So waren sie nun also schon zu viert. Voller Zuversicht rückten Ali Baba und die vierzig Finger dem widerspenstigen Möbelstück zu Leibe. Es half alles nichts. Der renitente Schrank blieb unverrückbar. „Hier stimmt etwas nicht“, sagte Ali Baba und seine Leute pflichteten ihm kopfnickend bei. Da sie sich keinen Rat mehr wussten, beschlossen sie, die Nuss der Polizei zum Knacken zu geben. Kommissar Kalauer nahm sich des Falles an. Der Kommissar war gerade eingetroffen, da sagte einer der Möbelpacker: „Warum zerlegen wir das verdammte Ding nicht einfach?“ Kalauer erhob umgehend Einspruch. Er wollte dem Rätsel allein mit seinem Sherlock-Holmes-Verstand beikommen. Er sagte: „Ich sehe hier nur zwei plausible Möglichkeiten. Entweder ist der Schrank vollgepackt mit dunkler Materie, oder ein Dämon hat seinen Wohnsitz in diesem Schrank genommen. Wir werden das in Kürze feststellen.“ Doch weder ein hinzu gezogener Physiker noch ein Exorzist konnten zu des Rätsels Lösung beitragen. Schließlich wurde Kommissar Zaungast mit dem Fall betraut.

Fortsetzung folgt

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