87. Kalenderblatt 28. 03. 2025

Heute gedenken wir des großen Dramatikers Eugene Ionesco, der am 28. März 1994 starb. Er war ein Meister des Absurden. Mit seiner kühnen Überschreitung althergebrachter Formen und Inhalte hat er sich zweifellos einen Platz in diesem Kalender verdient. Das Absurde aber steht bei Ionesco keineswegs in seiner bloßen Nacktheit da, es ist mit reichlich Substanz unterfüttert, was Meisterwerke wie ‚Die Stühle‘, ‚Die Nashörner‘, ‚Die kahle Sängerin‘ oder ‚Der Mann mit dem Koffer‘ eindrücklich belegen. Eugene Ionesco war ein erklärter Gegner aller Massenbewegungen und er wusste warum. Folglich erhielt er 1973 den ‚Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft‘.

Sein absurdes Theater scheint immer mehr als Vorbildfunktion der Politikschaffenden in aller Welt zu fungieren.

86. Kalenderblatt 27. 03. 2025

Zaungastige Gedanken zur Literatur anlässlich der gerade begonnenen Leipziger Buchmesse

Das Wesensmerkmal literarischer Größe ist die Wandlungsfähigkeit der Linienführung, die generelle und spezifizierte Verfallssymptome in den sich überlagernden und miteinander korrespondierenden Bedeutungsebenen ganz allein im Vorstellungsbereich des parteinehmenden Lesers konturiert, man könnte auch sagen, des besitzideologischen Lesers. Die Perspektivgestaltung als Schaffensprinzip kulminiert in der Fixation des Spannungsfeldes, dem es lebenswahre Tragfähigkeit einhaucht. Der parteinehmende oder besitzideologische Leser gründet sein Verstehen auf der Dissonanz zwischen Identifikation und der als mehr oder weniger bedrohlich empfundenen Grundsätzlichkeit. Das heißt, ein solcher Leser versteht überhaupt nichts.

85. Kalenderblatt 26. 03. 2025

Im Märzen die Trottel den Chat publik machen

Wann merken endlich die Trump und Vance-Glorifizierer, dass ihre Götzen völlige Idioten sind, selbst wenn man einige ihrer Positionen teilen mag? Wann merken wir endlich, dass wir von allen Seiten von Irren umgeben sind, zumindest in der politischen Landschaft?

Nebenbei war es Zaungasts Team gelungen, die Friedensgespräche in Saudi-Arabien zu leaken:

X: „Peace!“ Y: „Piss!“ X: „Peace!“ Y: „Piss!“ X: „Peace!“ Y: „Piss!“

84. Kalenderblatt 25. 03. 2025

Kommissar Zaungast zweites Gedicht: Der Flüsterchor paranoider Politik

Ich höre die Stimme des Neides, ich höre den Hass, wie er raspelt

Ich höre die Stimme des Leides, ich hör‘ die Vernunft, wie sie haspelt

Ich höre die Stimme der Unwahrheit, die Wollust höre ich kochen

Ich höre die Stimme der Eitelkeit, die Ungeduld höre ich pochen

Ich höre die Stimme der Tyrannei, ich höre die Gier, wie sie schmachtet

Ich höre die Stimme der Heuchelei, ich hör‘ den Verrat, wie er schachtet

Ich höre die Stimme der Rebellion, die Eifersucht höre ich hetzen

Ich höre die Stimme der Perversion, die Klinge des Spotts hör‘ ich wetzen

Den Stimmen hab‘ ich mich verschworen, sie sind Musik in meinen Ohren

und leitend steht dem Flüsterchor als Dirigent die Dummheit vor.

83. Kalenderblatt 24. 03. 2025

Nach zwei der Politik gewidmeten Kalenderblättern nun endlich wieder ein mehr oder weniger harmloser Schwachsinn: Ein Rezept des alchimistischen Apothekers Hannibal Hallmich.

Wäre es nicht wunderbar, wenn Sie sämtliche Krankheiten nicht nur einfach mir nichts, dir nichts abhusten, sondern diese abgehusteten Übel auch noch im Gegenzug einem Feind oder Widersacher anhusten könnten? Benutzen Sie dreimal täglich die Tinktur ‚Plutos marantische Ambrosia‘. Vor dem Rasieren, nach dem Rasieren und während Sie sich rasieren. Nur zur äußerlichen Anwendung! Frauen, die sich nicht rasieren, wenden sie lediglich vor dem Rasieren an. In dreifacher Dosis! Neutralisieren Sie die überschüssige Wirkung anschließend durch die Einnahme von Brechweinstein.

Plutos marantische Ambrosia ist ein Gemisch von Kummerspeck, Kurare, Karmelitergeist, Sägemehl, Granatapfelextrakt, Nagellack und Mäusepisse. Da das Mischungsverhältnis der Zutaten von entscheidender Bedeutung ist, scheint es wenig ratsam, die Tinktur selbst herzustellen.

82. Kalenderblatt 23. 03. 2025

Gestern war die Verschuldung Thema in Zaungasts Jahreskalender, heute ist es die Verankerung des Klimaschutzes im Grundgesetz.

Die Geburtshelfer der Ökodiktatur in Brüssel und Berlin sind nun im Begriff, die Nabelschnur endgültig zu durchtrennen, die uns noch lose mit der Freiheit verbindet. Klimaneutralität im Grundgesetz und digitaler Euro sind die Schaufeln dieser Totengräber der Freiheit. Die Fangleinen einer anderen Schnur, einer Lassolüge sozusagen, strecken sich nach den Bürgerinnen und Bürgern aus, geleimte Leinen, die uns einfangen wollen, indem sie uns eine Reise auf einem fliegenden Teppich ins Nirwana versprechen, um uns dann mitten in der Wüste fallen zu lassen. Es sind Maßnahmen zu erwarten, die über die Restriktionen der Coronazeit weit hinausgehen werden. Man bedenke, alles was sich theoretisch und rechtlich umsetzen lässt, wird irgendwann auch in die Tat umgesetzt. Schlimme Aussichten, die aufrütteln sollten, die aufrütteln müssen aus der Lethargie verknöcherten Unbeteiligtseins.

Stellvertretend für alle anderen Politiker werfen wir den Scheinwerfer mal auf Herrn Merz und Herrn Söder, zwei Situationisten, die sich allen Umständen anpassen, die sich jedem Schurken anbiedern, der honigsüße Worte auf ihr erbärmliches Ego träufelt; jedem, der mithilft, ihrem unsäglichen Streben nach Macht den Weg zu ebnen. Sie beten die Macht geradezu an, der sie tief in ihrem Inneren einen Altar errichtet haben, auf dem die Vergissmeinnicht ihrer Versprechen dahinwelken und die Blumen des Bösen blühen und sprießen. Dies gilt leider auch für die Vertreter aller anderen Parteien. Zwei Triebfedern sind es, die das Handeln dieser Leute bestimmen: die Angst und die Gier.

Wo bleibt der zivile Widerstand? Wo bleibt der zivile Ungehorsam? Leben wir in einem Land mit einer nach Unterwerfung gierenden Bevölkerung? Es scheint so.

81. Kalenderblatt 22. 03. 2025

Ursprünglich war dieser Kalender ja in erster Linie dem homöopathischen Schwachsinn verpflichtet gewesen, dem maßvoll portionierten Absurden, der täglichen Dosis an Irrwitz, die jeder Mensch zum geistigen Wohlergehen benötigt. Doch die Vorlagen aus dem realen Leben politischen und gesellschaftlichen Irrsinns sind einfach zu steil, zu passgenau, um sie nicht aufzunehmen.

Heute, am 22. 03.: Volle Kanne voraus! Was der März der Natur an Niederschlag vorenthält, das liefert der Merz mit seiner Gießkanne in inflationärem Stil. Merz bittet zum Marsch durch die alles verschlingenden Kanäle der Verschwendungssucht. Er wird in der Kloake enden. Die hungrigen Mäuler der Selbstsucht, der Korruption, der ideologischen Verblendung, der Herrschsucht, des Cäsarenwahns, der Inkompetenz und andere haben ihren Rachen weit aufgesperrt. Die Possenreiter finanzpolitischer Apokalypse, die diese Unersättlichen sättigen wollen, blasen zum Parforceritt durch die Institutionen. Und der Betrug am Wähler scheint dabei von langer Hand vorbereitet, die Lügen sind schon früh in die passenden Formen gegossen worden.

Der Geschwindschritt, den Merz an den Tag legt, um seinen Versprechungen und Beteuerungen den Rücken zu kehren, der ist schon Staunen erregend. Das Ausmaß des Verräterischen, mit dem er seine gezinkten Karten nun aufdeckt, ist eines Judas würdig. Und all die kleinen Judasse seiner bis in den innersten Kern verfaulten Partei folgen ihm wie die Schafherde ihrem blökenden Leithammel. Armselig sind ihre Rechtfertigungsversuche, schäbig ihre auf 180 Grad gedrehten Scheinargumente, ihre aufgeblasene Arroganz ist von der Leere einer Seifenblase, ihre Versprechungen und Prognosen sind eine Kumulation von Schwachsinn. Zusammngefasst: Sie fahren einen hasardierenden Angriff auf die Fundamente politischer Vernunft.

Getriebener, nicht Antreiber ist der sich selbst als Wachstumsmotor betrachtende Merz. Ein Wachstumsmotor, dem alles und jedes Brennstoff zu sein scheint, was in Lug und Trug wurzelt. Das Autoritätsgehabe von Leuten wie Merz und Söder und die dahinter stehende Nichtigkeit müssten inzwischen selbst eingefleischten CDU-Wählern deutlich vor Augen treten. Doch die Schwarmidiotie der breiten Masse scheint nicht therapierbar.

Glaubt Kommissar Zaungast

80. Kalenderblatt 21. 03. 2025

Politiker und Journalisten berufen sich häufig auf die Geschichte. Sie selbst ziehen, wie könnte es anders sein, Lehren aus der Geschichte, der Opponent von der anderen Partei aber klittert die Geschichte.

Mal angenommen, in der Wüste politischen Siechtums liegt ein langer roter Faden aus. Und nun treten die Spurenleser, Apologeten und Ausdeuter auf den Plan. Sie finden diesen langen roten Faden und rollen ihn auf; rollen ihn zu einem großen Wollknäuel auf, schauen sich das Knäuel an und erklären dann im Brustton der Überzeugung: Seht ihr, so war es!

Aber so war es eben nicht. So ein Wollknäuel hat nicht mal eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Pullover, zu dem der Faden früher zusammengestrickt war. Trotzdem erdreisten sich die Geschichtsforscher und andere nichtsnutzige Fährtenleser, ihre Profession in den Rang einer Wissenschaft zu erheben.

Meint Kommissar Zaungast.

79. Kalenderblatt 20. 03. 2025

Das närrische Dreigestirn, das Fanal des Untergangs, leuchtet vermutlich bald im Wolkenkuckucksheim deutscher Geschichte: Erzkanzlerin, Scherzkanzler, Merzkanzler. Gerade irrlichtert das dritte Gestirn am Horizont herauf, ausgerechnet da, wo früher die Hoffnung wohnte. Dort hinten am Horizont, da wo die Hoffnung wohnt, da zieht schwarz und dräuend Ungemach herauf.

Fürchtet Kommissar Zaungast

78. Kalenderblatt 19. 03. 2025

„Friedel ruck ruck ruck an meine grüne Seite“ trällerte die Grüne Tante, und in hündischer Ergebenheit kroch Friedrich ihr zu Kreuze. Im Zwielicht der Roten Laterne setzten sie sodann eine Spottgeburt in die Welt, eine Missgeburt mit einem Buckel, dem Schuldenbuckel. Er gibt dem Merzkanzler in spe nun endlich den Freibrief, zu sagen: „Die Wähler können mir mal den Buckel runterrutschen.“

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