Ein Besuch im Bestiarium
„Was wollt ihr?“ begrüßt uns der Baulöwe, „Naturschutz? Klimaschutz? Ein Hochhaus spendet mehr Schatten als jeder Baum.“ Irgendwo faucht eine Katze im Sack. Hochsaison für die Katze im Sack ist die Zeit nach den Parlamentswahlen sowie nach Wahlen allgemein. Dann stößt man allenthalben auf streunende Katzen, die ihrem Sack Lebewohl gesagt haben. Von einem Baum ruft uns der Kuckuck zu. Er ist das Wappentier der Insolvenzverwalter und Spaßvögel. Er legt leere Versprechungen in fremde Nester, groß und aufgeblasen aber von trojanischer Qualität. Gelangweilt fläzt sich der Null-Bock in seinem Gehege. Er ist Taufpate einer ganzen Generation. Sein Verhaltenskodex beschränkt sich auf die fundamentalen Akte des Rammelns, der Nahrungsaufnahme sowie des Aktes der Ausscheidung. Uns zu Füßen krabbelt ein Tausendfüßler. Tausend Füße folgen einem Hirn. Das führt in der Regel zu nichts Gutem. Der Schluckspecht duckt sich unter den weiten Mantel der Spaßgesellschaft und prostet uns zu. Sein Dinner teilt er sich oftmals mit den höchsten Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft, sein Frühstück teilt er sich mit dem Kater. Das weibliche Pendant zum Schluckspecht ist die Schluckeule. Ein Zerberus, ein kläffender, vorlauter Butz, ein treuer Begleiter und Kumpan des Amtsschimmels verabschiedet uns aus dem Bestiarium. Rüffel für die Einen, Trüffel für die Anderen, das ist seine Devise. Doch ob vorn trocken Brot oder Trüffelsalat hineinkommt – hinten wieder heraus kommt immer nur …
Aus ‚Fletcher’s kleines Wirtschaftsbestiarium‘, erschienen im Wolfgang Hager Verlag, ISBN 978-3-903443-45-7 jetzt überall erhältlich.
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