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Blatt 053 Zweiundzwanzigster Februar 2026

Heute delegiert Kommissar Zaungast das Wort zum Sonntag zum ersten mal in diesem Jahr an einen richtigen Denker: Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) Lichtenberg gräbt tief aber kommt nicht wieder herauf, wer ihn verstehen will, muss selbst tief graben, sagte Karl Kraus sinngemäß. Also holt schon mal den Spaten aus dem Schuppen.

„Was? Die Sache verstehen, wenn man disputieren will? Ich behaupte, daß zu einem Dispute notwendig ist, daß wenigstens einer die Sache nicht versteht, worüber gesprochen wird, und daß in dem sogenannten lebendigen Disput in seiner höchsten Vollkommenheit beide Parteien nichts von der Sache verstehen.“

„Frei? Wie? Vogelfrei vielleicht?“

„Alsdann verfiel er in ein albernes Kleinkünsteln, das Kriterium der Stümper, und bekümmerte sich wie ein Dorffriseur um Härchen und ließ die ganze Perücke in Verwirrung.“

„Man bat jemanden, eine Definition von Gott zu geben: Gott ist, sagt er, eine Kugel, deren Mittelpunkt überall und Oberfläche nirgends ist.“

„Ist es nicht sonderbar, daß man zu den höchsten Ehrenstellen in der Welt ohne Examen gelangt, das man von jedem Stadtphysikus fordert?“

„Ihre körperlichen Reize befanden sich gerade in dem sonderbaren Zeitpunkt, wo sie anfangen, ihre anziehende Kraft mit der abstoßenden zu vertauschen.“

„Was die wahre Freiheit und den wahren Gebrauch derselben am deutlichsten charakterisiert, ist der Mißbrauch derselben.“

Blatt 049 Achtzehner Februar 2026

Neue schadenfrohe Botschaft von der Bahn.

Die Bahnarbeiten an der Strecke Berlin – Hamburg verzögern sich bis auf unbestimmte Zeit. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kann nicht gearbeitet werden. Alle reden über das Wetter. Wir nicht. Das war einst ein Werbeslogan der Bahn.

Ein Bild aus eigener Anschauung, gesehen am Bahnhof Geltendorf in Oberbayern. Eine ohne ersichtliche Aufgabe auf Schienen hin und her rollende Baumaschine, ein Zweiwegebagger, neben den Gleisen eine Gruppe von sechs Männern mit Dame. Alle in orangefarbenen oder gelben Schutzwesten. Der Zug nach München Hauptbahnhof hat zwanzig Minuten Verspätung. Das Septett der Eisenbahner steht, auf ihre Werkzeuge gestützt, zwanzig Minuten tatenlos da und palavert. Wie lange sie vorher und wie lange sie nachher da gestanden haben, entzieht sich meiner Kenntnis. München wurde noch am selben Tag erreicht.

Den Aschermittwoch hatten wir schon im letzten Jahr thematisiert.

Blatt 037 Sechster Februar 2026

Größenwahnsinnig in ihrer Selbstwahrnehmung, vermessen in ihren Ansprüchen, genügsam in ihrem Denken, versaut in ihrer Moral. So können wir die Reichen und ‚Mächtigen‘ dieser Welt charakterisieren. Die Epstein-Dokumente führen es uns vor Augen. Die Geachteten entpuppen sich als die Verächtlichen. Raub, Versklavung sowie andere Verbrechen waren seit jeher die Basis von Macht und Reichtum. Und nicht der Straßenpöbel, nein, der Geldpöbel ist für mich der Inbegriff des Pöbels. Damit soll nicht gesagt werden, dass all die Reichen und ‚Mächtigen‘ schlechte Menschen sind. Aber die zu lange im Rampenlicht Stehenden scheinen zwangsläufig einen Hirnschaden davonzutragen.

Auf dem nächsten Kalenderblatt wird es unappetitlich durch einige Sätze aus dem Roman ‚Von der Pandemie zur Pandämonie‘ oder ‚Zaungast und die Herrschaft der Ampelaner‘. Denn eines der Hauptthemen des Romans ist die zunehmende Dekadenz und Verottung der Polit- und Promiszene. Die Epstein-Files sind dort quasi in krassester Form bereits vorweggenommen.

Blatt 035 Vierter Februar 2026

Aus Zaungasts Aphorismen-Schatz

Optimisten handeln mit Optionsscheinen auf die Zukunft, deren Verfallsdatum immer weiter hinausgeschoben wird.

Der Katzenjammer ist der obligatorische Comes eines zu korybantischen Dux.

Der Unterschied zwischen Wichtigkeit und Nichtigkeit macht in der Orthographie nur einen Strich aus. Eine Annäherung an die tatsächlichen Verhältnisse.

In der Lostrommel finden sich weit weniger Nieten als in der Wahlurne.

Was braucht es, um eine Arena zu füllen? Masse. Was braucht die Prominenz, um sich dort oder anderswo wirksam in Szene setzen zu können? Masse. Was braucht es, um sich selbst zu genügen? Elite. Heute gibt es keine Eliten mehr.

Heute sind die Männer, wenn sich ihre Lendenkraft erschöpft hat, in der glücklichen Lage, mit ihren PS-gespickten Blech- oder Chromlenden auf Buhlschaft zu gehen.

Figurbetonte Damenmode erfüllt in der Regel doch nur die Funktion, einem wabbelnden Formlosen den trügerischen Anschein von Form zu verleihen.

Etwas Selbstkritik: Ein Aphorismus ist nichts als ein Gedankenfurz, der die Duftnote seines Verfassers für eine Weile in seiner Umwelt zu bewahren versucht. Weder etwas Bleibendes noch etwas Wahrhaftiges ist daran.

Blatt 025 Fünfundzwanzigster Januar 2026

Die Lage der Nation. Dem großartigen Roland Tichy gewidmet.

Bevor sie sie zum Schlachthaus führen, sperren sie unsere Freiheit in den Pferch. Das ist der Zustand, den wir mittlerweile erreicht haben. Das ist die Lage der Nation.

Absurd, absurder, absöder.

Im Idealfall sollte die Fackel der Justizia einen Sachverhalt erhellen, dass sie manchmal irrlichtert, mag man hinnehmen, nicht jedoch, dass sie zur Brandstifterin wird.

Wie kann es sein, dass es funktioniert wie es funktioniert obwohl es nicht funktioniert? Die scheinbare Evidenz, dass es funktioniert, ob es nun funktioniert, oder ob es nicht funktioniert, verschleiert nur, dass es nicht funktioniert, auch wenn es funktioniert.

Die gefährlichsten Güter rollen nicht in Gefahrguttransporten auf der Schiene, sie verbergen sich vielmehr in Charakterzügen.

Die globale Erwärmung macht viele betroffen, von der globalen Verdummung sind viele betroffen.

Schildbürger sind sie fast alle, ob sie nun Gutes oder Böses im Schilde führen.

Die Lage auf dem Bildungssektor: Bundesdeutsche Gymnasien präsentieren alljährlich in den jeweiligen Lokalzeitungen ihre Erfolgsquoten. Beinahe alle Schüler haben das Abitur bestanden, eine Erfolgsquote von nahezu 100%! Viele schließen mit einem Notenschnitt von 1,0 – 1,5 ab. Diese Bilanz gibt Anlass zu großer Sorge.

Belastend die Vergangenheit, lästig die Gegenwart, lastend die Zukunft. Die Lage der Nation.

Blatt 011 Elfter Januar 2026

Das Wort zum Sonntag erhält, wie schon einmal im letzten Jahr, der konservative Denker und Aphoristiker Nicolas Gomez Davila. Aphorismen mit engem Bezug zur heutigen Zeit.

„Das Gesetz ist der Embryo des Terrors.“

„Man rebelliert nie gegen die Autorität, sondern nur gegen jene, die sie sich zu Unrecht anmaßen.“

„Die Kirche wollte, als sie ihre Türen weit öffnete, den Eintritt für die von draußen erleichtern, ohne zu bedenken, daß sie vielmehr den Austritt derer erleichterte, die drinnen waren.“

„Die neue Linke sammelt jene, die die Wirkungslosigkeit des Heilmittels zugeben, ohne den Glauben an das Rezept zu verlieren.“

„Ohne schmutzige Hände gibt es für den Linken kein reines Gewissen.“

„Das Talent entsteht spontan, doch es scheint auch geistig aseptische Epochen zu geben – wie die unsrige.“

„Die Freiheit ist das Recht, anders zu sein; die Gleichheit ist das Verbot, es zu sein.“

360. Kalenderblatt 26. 12. 2025

Der zweite Weihnachtstag ist der Tag des heiligen Stephan, des ersten Märtyrers des christlichen Glaubens. Das christliche Märtyrertum scheint vor einer neuen Hochkonjunktur zu stehen. Laut Tichys Einblick gab es im letzten Jahr in Europa 94 Brandanschläge auf christliche Kirchen, davon 33 in Deutschland. Auch da ist unser Land wieder unrühmlicher Spitzenreiter. Dazu kommen geschändete und verwüstete Friedhöfe und unzählige Schmierereien und Beschädigungen an christlichen Symbolen. Täter, sofern sie ermittelt werden konnten, Muslime und Linksextreme. Die Konsequenz, die von den ‚Christdemokraten‘ daraus gezogen wird, ist die Einführung eines Gedenktages gegen Islamfeindlichkeit. Linksparteien (wobei ich die CDU mit einbeziehe), Gewerkschaften und die Kirchen selbst spenden dem Beifall. Die Schandtaten, die im Namen des Christentums verübt wurden, sollen hiermit nicht relativiert werden.

Und der Ausblick auf die Zukunft, auf das Jahr 2026: Das neue und hochwirksame Entlaubungsmittel CDU beraubt das zarte Pflänzchen der Hoffnung seiner letzten Blätter.

358. Kalenderblatt 24. 12. 2025

Zum Heiligabend etwas Besinnliches. Dafür aber ist Zaungast nicht zuständig. Er übergibt noch einmal das Wort an Friedrich Schlegel, einen der führenden Vertreter der deutschen Romantik:

„Jeder Begriff von Gott ist leeres Geschwätz. Aber die Idee der Gottheit ist die Idee aller Ideen.“

„Die Religion ist nicht bloß ein Teil der Bildung, ein Glied der Menschheit, sondern das Zentrum aller übrigen, überall das Erste und Höchste, das schlechthin Ursprüngliche.“

„Frei ist der Mensch, wenn er Gott hervorbringt oder sichtbar macht, und dadurch wird er unsterblich.“

„Die Religion ist schlechthin unergründlich. Man kann in ihr überall ins Unendliche immer tiefer graben.“

„Die Religion ist die zentripetale und zentrifugale Kraft im menschlichen Geiste und was beide verbindet.“

„Zur Vielseitigkeit gehört nicht allein ein weitumfassendes System, sondern auch Sinn für das Chaos außerhalb desselben, wie zur Menschheit der Sinn für ein Jenseits der Menschheit.“

341. Kalenderblatt 07. 12. 2025

Heute, am zweiten Adventssonntag, geben wir das Wort zum Sonntag an die Brüder Goncourt (Edmond und Jules)

„Wenn es einen Gott gibt, muß der Atheismus ihm wie eine geringere Beleidigung vorkommen als die Religion.“

„Es gibt Augenblicke, in denen de Sade wie eine Erklärung Gottes klingt.“

„Gott hat den Koitus erschaffen, der Mensch die Liebe.“

„Die Völker brauchen eine Gottheit, und wenn Gott ihnen fehlt, vergöttlichen sie einen Menschen, beten ihn bis in den Kot hinein an. Etwas oder jemand ist vonnöten, worunter der Geist der Menschen sich geduckt hält und worin sie verdummen.“

„Das Absurde hat in der Weltgeschichte noch die meisten Märtyrer.“

„Der Mann, der den Erfolg nicht verachtet, ist unwürdig, ihn zu haben.“

Anmerkung Kommissar Zaungasts: Wer wird bei dem letzten Satz nicht an Friedrich Merz denken?

330. Kalenderblatt 26. 11. 2025

Die gestrige Geschichte war selbstverständlich rein fiktiv. Die folgende hat sich tatsächlich so zugetragen, wie ich nun berichten werde. Es war wenige Wochen, nachdem ich meine Wehrdienstzeit beendet hatte, irgendwann Mitte der siebziger Jahre.

Es klingelt eines Morgens, doch nicht schon um sechs Uhr, auch nicht um sieben. Später. Ich öffne die Haustür. Zwei Herren stehen davor, ein etwas älterer und ein noch junger Mann. Sie zücken ihre Ausweise und stellen sich vor. Kriminalpolizei Bielefeld. Die Namen sind mir nicht mehr in Erinnerung. Der Jüngere fischt ein zerknülltes Blatt Papier aus der Tasche, streicht es ein wenig glatt und hält es mir unter die Nase. Das Blatt sah aus, als hätte ein tollwütiger Pitbull darauf herumgekaut. Der Beamte sticht mit seinem Zeigefinger auf das Papier ein, als wolle er es durchbohren. „Haben Sie das geschrieben?“ fragt er betont unfreundlich. Ich erkenne meine Handschrift und lese: ‚In Kürze komme ich dich besuchen mit drei hungrigen Löwen und einem entführten Bischof im Gepäck.‘ Ich bestätige ihm meine Autorschaft über dieses skurrile Papier.

„Es gibt dringenden Gesprächsbedarf“, erklärt der Beamte und ich bitte ihn und seinen Kollegen in die Wohnung.

Fortsetzung Morgen in diesem Kalender.

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