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358. Kalenderblatt 24. 12. 2025

Zum Heiligabend etwas Besinnliches. Dafür aber ist Zaungast nicht zuständig. Er übergibt noch einmal das Wort an Friedrich Schlegel, einen der führenden Vertreter der deutschen Romantik:

„Jeder Begriff von Gott ist leeres Geschwätz. Aber die Idee der Gottheit ist die Idee aller Ideen.“

„Die Religion ist nicht bloß ein Teil der Bildung, ein Glied der Menschheit, sondern das Zentrum aller übrigen, überall das Erste und Höchste, das schlechthin Ursprüngliche.“

„Frei ist der Mensch, wenn er Gott hervorbringt oder sichtbar macht, und dadurch wird er unsterblich.“

„Die Religion ist schlechthin unergründlich. Man kann in ihr überall ins Unendliche immer tiefer graben.“

„Die Religion ist die zentripetale und zentrifugale Kraft im menschlichen Geiste und was beide verbindet.“

„Zur Vielseitigkeit gehört nicht allein ein weitumfassendes System, sondern auch Sinn für das Chaos außerhalb desselben, wie zur Menschheit der Sinn für ein Jenseits der Menschheit.“

357. Kalenderblatt 23. 12. 2025

Bemerkungen zur Explosion der Edelmetallpreise

Goldesel streck dich, Tischlein deck dich, Knüppel aus dem Sack. Frei nach den Gebrüdern Grimm. Der Goldesel kackt zur Zeit große Haufen. Das heißt Tischlein deck dich für Bergbauunternehmen und deren Aktionäre. Für die verantwortungsvollen Politiker sollte nur der Knüppel aus dem Sack in Gestalt der Abstrafung durch den Wähler bleiben. Eine Goldhausse ist untrügliches Zeichen für Zukunftsängste und Misstrauen in die Politik. Die Kackhaufen des Goldesels werden weiter anwachsen im selben Maße wie die Aufgaben und Probleme, die von unseren Politikern verkackt werden.

356. Kalenderblatt 22. 12. 2025

Weihnachtsleak. Meyrinks Engel vom westlichen Fenster machte es publik. Als Schikanenplaner der Regierung fungiert der Großmeister der okkulten Wissenschaften Keokuk Killimannkicki. „Wir planieren die planlose Planwirtschaft zu einer durchgeplanten Planlosigkeit und verfügen damit zum ersten Mal über einen richtigen Plan“, sagt Keokuk Killimannkicki. „Wir verwandeln das Tollhaus in ein Totenhaus. Wir lassen die Betriebe sterben, wir lassen die Illusionen sterben, wir lassen die Freiheit sterben. Wir mästen die moralische Verwahrlosung, wir mästen die Lüge. Es geht aufwärts!“ Der Schweigemarsch einer Kompanie von Gehängten, Geköpften, Gebrannten und Gesalbten zog an ihm vorüber. Er salutierte, und der kopflose Major ließ in Erwiderung dessen eine kleine Blutfontäne aus seinem Halsstumpf spritzen. Keokuk wusste diese Geste der Dankbarkeit zu würdigen. Blaue Flämmchen züngelten aus seinen Nasenlöchern, aus seinen Augen schossen Blitze, die Lippen glühten wie die Heizstäbe eines Grills. Dann öffnete sich sein Mund und es war, als blickte man in den Krater eines Vulkans.

Das Schicksal sollte sich barmherzig zeigen und endlich die Pferde wechseln, um mit Lord Byron zu sprechen.

355. Kalenderblatt 21. 12. 2025

Aus Zaungasts Biologie-Lehrbuch

Der braune Totengräber: Necrophorus germanicus. Abbildung dreiunddreißig. Häufigste Farbvarianten: Grün und Rot. Besondere Kennzeichen: Keine. Daher differentialdiagnostisch schwer anzusprechen. Vorkommen: Häufiger als man denkt. In jüngerer Zeit meist auftretend als mimetische Erscheinungsform. Etikettiert sich gern als Marienkäfer.

354. Kalenderblatt 20. 12. 2025

Ochs und Esel, die Krippentiere aus dem Stall zu Bethlehem eignen sich gemeinhin als Zugtiere. Man wünscht sie sich manchmal vor dem europäischen, speziell vor dem alemannischen Karren. Mögen ihren intellektuellen Fähigkeiten auch Grenzen aufgesetzt sein, so verfügen sie doch wenigstens über animalischen Instinkt. Dem Kanzler und seinem Vize mangelt es an beidem. Das Gespann Klingbeil/Merz zieht den Karren immer weiter in den Dreck. In einen Dreck, dick und zäh und unflexibel wie die graue Substanz, die unter ihren Schädeldecken um Effizienz im Denken bemüht ist. Aber die Räder ihres Verstandes stecken fest, sie schnurren vergeblich in der trägen grauen Masse, in der sich zu drehen sie verdammt sind. Von den Hillbillies in der zweiten und dritten Reihe wollen wir erst gar nicht reden.

353. Kalenderblatt 19. 12. 2025

Spaghettimänner und Bohnenstangen … auf die Barrikaden. Vegetarier und Hungerleider … formiert euch zum Protest. Asketen und Marathonläufer … wo seid ihr? Die oder der Diskriminierungsbeauftragte hat das ‚Fette Feiern‘ ausgerufen. ‚Aktion für dicke fette Menschen.‘ ‚Nur für Fatties.‘ Die einzige Minderheit, die heute diskriminiert wird, ist die Intelligenzia. Der Tsunami des Irrsinns flutet weiter das Land.

Das war gestern. Heute ist der Tag der Christbaumkugel. Hohl wie diese Kugeln scheinen die Köpfe der Christdemokraten. Wieder einmal wurden sie vorgeführt vom ‚Koalitionspartner‘. Bei der ‚Bürgergeldreform‘. In der Union scheint es nur noch Idioten zu geben, das Erbärmlichste, was die deutsche Parteienlandschaft zur Zeit zu bieten hat. Trotzdem liegt sie in Umfragen noch bei 24 Prozent! Der mündige Bürger entpuppt sich als Schimäre.

Wo gelogen wird, da fallen Spähne. Die Schäbigkeit der Politikerkaste tritt immer offensichtlicher zutage. Es ist Seelenexhibitionismus. Willig und ohne einen Hauch von Scham lassen sie uns bis auf den Bodensatz ihres verruchten Selbst blicken. Ein Appell an den Kanzler: Kanzler, kündige den Pakt mit Mephisto auf, hol dir lieber ein warmes Gretchen ins Bett und besudele nicht den halben Globus durch deine Anwesenheit!

Sagt Kommissar Zaungast

351. Kalenderblatt 17. 12. 2025

Die Reise von Germanistan über Absurdistan nach Kaputtschistan. Zweite Etappe.

Mit dem Heraufdämmern der erzkanzlerischen Ära verließ man den Pfad entschlossenen Handelns und verlegte sich aufs Theoretisieren und auf das Palavern. Mit rednerischer Emphase vorgetragenem Schwachsinn vermochte man viele Menschen tatsächlich zu täuschen. Und auch Presseorgane und das Fernsehen versuchten, mit rhetorischer Hohlheit zu brillieren und siedelten sich in der Diaspora der Vernunft an. Das Volk schlitterte in eine geistige Hungersnot, die nur leider zu wenigen bewusst wurde. Genügsamkeit im Denken machte es möglich.

Auf die erzkanzlerische Hoheit folgte die scherzkanzlerische und darauf die merzkanzlerische Hoheit. Wortliquidität und deren Umsetzung in die Tat standen besonders bei Letzterem in krassem Gegensatz zueinander. Seine Jünger scherte das nicht. Ihre waschmaschinenfeste Idiotie nahm willig den Lügentrichter an und ließ sich die Unwahrheiten einflößen. Nie wäre ein Judas wertvoller gewesen als zu jener Zeit. Der letzte Brunftschrei germanischen Barbarentums erstarb im infantilen Geplärre derer von Absurdistan.

Über die Weiterreise nach Kaputtschistan, die noch nicht abgeschlossen scheint, werden wir im Kalender des nächsten Jahres berichten.

350. Kalenderblatt 16. 12. 2025

Merz erklärt sich auf dem CSU-Parteitag zum Magier. Er wird immer größenwahnsinniger. Er glaubt er sei Hanussen 3. Ein Kraftwerk nach dem anderen wird gesprengt, Merz erklärt: Nein, wir gehen nicht raus aus der Kernkraft, wir gehen rein. Will er aus dem Bauschutt unserer ehemaligen Kernkraftwerke das Land mit Energie versorgen? Die Delegierten des CSU-Parteitags applaudieren ihm und dokumentieren damit das geistige Niveau des bayrischen Landesparlaments. Neben Kim Jong Un, Idi Amin Dada und Muammar al-Gaddafi ist Friedrich Merz heute schon einer der groteskesten Politiker, den die Welt jeh gesehen hat. Söder und andere aus seinem Team scheinen ihm nacheifern zu wollen.

Man kann diesen Beitrag durchaus als Fortsetzung des gestrigen Kalenderblatts verstehen.

349. Kalenderblatt 15. 12. 2025

Von Germanistan über Absurdistan nach Kaputtschistan. Ein Lage- und Reisebericht

Als Wotan noch über Satan triumphierte, als die Brandmauer noch Limes hieß, als der deutsche Wald noch aus Bäumen bestand, da war die Welt in Germanistan noch in Ordnung. Es herrschte ein gesittetes, zivilisiertes Barbarentum. Höflichkeiten wurden mit der Keule ausgetauscht. Die Argumentationen waren von einer grandiosen Schlichtheit, die Rituale von erhabener Großartigkeit. Die Frauen nannten sich noch Weiber und waren von strotzender Schönheit, die Männer waren noch Männer und konnten einem Wildschwein oder einem Römer mit einem beherzten Zupacken die Schwarte knacken. Das viehische, zersetzende Prassen des dekadenten Roms schien noch wie in weiter Ferne.

Irgendwann wehte ein ungünstiger Wind von links heran. Er wollte die Menschen von der drückenden Last der Vernunft befreien. Einige Stämme der Germanen schlugen den Weg nach Absurdistan ein.

Fortsetzung folgt

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