Schlagwort: Mord

Blatt 012 Zwölfter Januar 2026

In einem Kalender für erlesenen Schwachsinn, konservativer Satire sowie grotesken Kriminalfällen dürfen letztere natürlich nicht fehlen. Dieses Jahr hatten wir noch keinen. Hier der Fall eines unheimlichen Serienmörders Teil 1

Das Bild, das sich Kommissar Zaungasts Blicken an diesem verschneiten Januartag darbot, war von einer faszinativen Komik des Grauens, war skurril und entsetzlich zugleich. „Tod durch Strangulation, ohne Zweifel“, erklärte der Amtsarzt dem erstaunten Kommissar. Zaungast und sein Kollege Schwanz blickten auf den aufgeschlitzten Unterleib eines Mannes, dessen Darmschlingen eng um seinen Hals gewunden waren.

„Sie wollen damit sagen, Doktor, dass er noch gelebt hat, als sein Mörder ihm die Därme um den Hals legte?“ – „Ja, da bin ich mir ziemlich sicher. Endgültige Klarheit wird dann die Obduktion bringen. Aber schauen sie sein Gesicht an, die Verfärbung der Haut, die hervor quellenden Augen.“

„So ein Bild ist selbst mir noch nicht unter die Augen gekommen“, konstatierte Kommissar Zaungast. „Hat die Hölle ihn wieder hervorgewürgt, den … äh … Dämon des Marquis de Sade?“ (siehe ‚Zaungast und die Herrschaft der Ampelaner). „Aber wo kommt denn dieser Gestank her? Kommt von da. Wo führt diese Tür hin, Schwanz?“ – „Das ist die Klotür, Chef.“ Der Kommissar öffnete die Tür einen Spalt. „Was für entsetzliche Ausdünstungen! Wer hat denn hier geschissen?“ Zaungast schlug die Tür gleich wieder zu. „Aber es riecht irgendwie gar nicht nach … äh … Scheiße. Und doch kommt mir dieser Geruch bekannt vor …“

Fortsetzung folgt

42. Kalenderblatt 11. 02. 2025

Noch in derselben Nacht verständigte Isermann (siehe 41. Kalenderblatt) selbst die Polizei. „Es war der Major, er hat es mir befohlen“, stammelte er, als er sich Kommissar Zaungast gegenüber sah. „Er und seine Halmamännchen exerzierten auf den Fliesen unseres Badezimmers.“

„Zeigen Sie mir das Badezimmer“, forderte der Kommissar Herrn Isermann auf. Die beiden Männer traten daraufhin in das Bad. „Da!“ schrie Isermann in höchster Erregung. „Da ist er!“ Ein rotes Halmamännchen steckte tatsächlich in einem Loch des Badewannenabflusses und hatte sich aungenscheinlich in einem Gestrüpp von Haaren verheddert. „Aha, ein Roter“, konstatierte Zaungast. „Jetzt verlegen sich die verzwergten Roten auf den Psychoterror. Herr Major, Sie sind verhaftet!“ Der Major zeigte keine Reaktion. Seiner Kompanie war es offenbar gelungen, durch den Abfluss zu entkommen. „Wir sperren ihn in ein solides Brillenetui“, sagte Zaungast.

Der Ermittlungsrichter verfiel in mundaufsperrendes Unverständnis, als Kommissar Zaungast ihm die Spielfigur präsentierte. Am nächsten Tag reklamierte ein Kunde eines Spielzeugladens das Fehlen der roten Halmamännchen in der tags zuvor erworbenen Spielesammlung.

Wie die ganze verwickelte Geschichte letztendlich verlief, das erfährt man demnächst in der Kriminal-Groteske ‚Zaungast und der rote Terror‘.

41. Kalenderblatt 10. 02. 2025

„Die Halmamännchen marschieren wieder.“ Frau Isermann setzte sich lauschend im Bett auf und gab ihrem Mann einen sanften Puff in die Seite. „Hörst du nicht, Egon? Die Halmamännchen.“ – „Du spinnst“, sagte er, doch dann hörte auch er ein leises Trippeln und Trappeln, das vom Bad her kam. „Ich gehe nachschauen“, sagte Isermann. Gespannt horchte Frau Isermann auf das, was nun kommen mochte. „Guten Morgen, Herr Major“, hörte sie ihren Mann sagen, dann: „Zu Befehl, Herr Major.“ Egon Isermann kehrte zurück in das Schlafzimmer, ein Rasiermesser in der Hand. Wie ein wildes Tier stürzte er sich auf seine Frau und schnitt ihr die Kehle durch.

Was die Ermittlungen Kommissar Zaungasts in diesem außerordentlichen Fall ergaben, das steht auf dem morgigen Kalenderblatt.

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