Schlagwort: Literatur

Blatt 228 Sechzehnter August 2026

Als Wort zum heutigen Sonntag Gedanken von Nicolas Gomez Davila:

„Wenn die Intellektuellen schweigen, besteht die Möglichkeit, dass die Literatur wieder aufersteht.“

„Nicht um die Übereinstimmung unserer Evidenzen, sondern um deren Unterordnung müssen wir uns bemühen.“

„Die Jugend segelt, ohne es zu bemerken, in einem Meer von Konformismus. An jeder sie mitreißenden Welle bemerkt sie nur die kurze Schaumkrone, die sie von den anderen unterscheidet, und nicht die allgemeine Flut, die alle treibt.“

„Das Volk war geistig reich, bevor die Halbgebildeten beschlossen, es zu bilden.“

„Gott wäre nicht Gott, wenn unsere Art, ihn zu erkennen, in Psychologie-Lehrbüchern dargestellt würde.“

„Schwerwiegender als der Tod der Künste ist, dass die Toten nicht schweigen wollen. Magenknurren des Aases.“

„Der absolute Relativismus ist die Wassertaufe des Verstandes.“

243. Kalenderblatt 31. 08. 2025

Kommissar Zaungasts Literaturtips

Bücher, die die Bestsellerlisten erklimmen, ziehen sowohl Dummheit als auch unmündige Leser an wie ein Magnet Metallspäne. Trotzdem muss das gestern empfohlenen Buch von Dominik Kettner unbedingt in die Bestsellerränge aufgrund seiner Wichtigkeit. Im Folgenden nun eine alternative Liste:

Kurt Kusenberg: Ordnung muss sein. Erzählung.

Robert Bloch: Der Schädel des Marquis de Sade. Erzählung.

Boris Vian: Erzählungen.

Fritz von Herzmanovsky-Orlando: Erzählungen und Skizzen.

Hanns Heinz Ewers: Der gekreuzigte Tannhäuser. Grotesken.

Alfred Kubin: Die andere Seite. Roman.

Ray Bradbury: Fahrenheit 451. Roman.

Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages. Roman.

Werner Fletcher: Zaungast ermittelt in der Pattstraße. Roman.

Oskar Panizza: Psychopathia Criminalis. Hilfsbuch für Ärzte, Laien, Juristen, Vormünder, Verwaltungsbeamte, Minister etc. zur Diagnose der politischen Gehirnerkrankung.

86. Kalenderblatt 27. 03. 2025

Zaungastige Gedanken zur Literatur anlässlich der gerade begonnenen Leipziger Buchmesse

Das Wesensmerkmal literarischer Größe ist die Wandlungsfähigkeit der Linienführung, die generelle und spezifizierte Verfallssymptome in den sich überlagernden und miteinander korrespondierenden Bedeutungsebenen ganz allein im Vorstellungsbereich des parteinehmenden Lesers konturiert, man könnte auch sagen, des besitzideologischen Lesers. Die Perspektivgestaltung als Schaffensprinzip kulminiert in der Fixation des Spannungsfeldes, dem es lebenswahre Tragfähigkeit einhaucht. Der parteinehmende oder besitzideologische Leser gründet sein Verstehen auf der Dissonanz zwischen Identifikation und der als mehr oder weniger bedrohlich empfundenen Grundsätzlichkeit. Das heißt, ein solcher Leser versteht überhaupt nichts.

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