Schlagwort: Karl Kraus

Blatt 280 Siebter Oktober 2026

Bemerkungen von Karl Kraus zur Literatur anlässlich des Beginns der Frankfurter Buchmesse:

„Man kann über eine Null ein Buch schreiben, der man mit einer Zeile zu viel Ehre erwiese.“

„Es müsste ein geistiger Liftverkehr etabliert werden, um einem die unerhörten Strapazen zu ersparen, die mit der Herablassung zum Niveau des heutigen Schrifttums verbunden sind.“

„Das geschriebene Wort sei die naturnotwendige Verkörperung eines Gedankens und nicht die gesellschaftsfähige Hülle einer Meinung.“

„Ein schöpferischer Kopf sagt auch das aus eigenem, was ein anderer vor ihm gesagt hat. Dafür kann ein anderer Gedanken nachahmen, die einem schöpferischen Kopf erst später einfallen werden.“

„Es gibt zwei Arten von Schriftstellern. Solche, die es sind, und solche, die es nicht sind. Bei den ersten gehören Inhalt und Form zusammen wie Seele und Leib, bei den zweiten passen Inhalt und Form zusammen wie Leib und Kleid.“

„Warum schreibt mancher? Weil er nicht genug Charakter hat, nicht zu schreiben.“

Blatt 123 Dritter Mai 2025

Das Wort zum Sonntag

Das Wort zum Sonntag erteilt Kommissar Zaungast heute mal wieder dem großartigen Zyniker Karl Kraus!

„Worin besteht denn der Fortschritt? Ist die Lust zum Peitschen abgeschafft? Nein, bloß die Peitsche, eine schöne Freiheit: bloß nicht gepeitscht zu werden.“

„Er war ein gefeierter Geigenspieler. Aber solche Leute sollte man nicht ohne Geige herumlaufen lassen.“

„Nur eine Sprache, die den Krebs hat, neigt zu Neubildungen.“

„Wo weder zum Weinen Kraft ist noch zum Lachen, lächelt der Humor unter Tränen.“

„Sie arbeiten am Schreibtisch und vergnügen sich in der Gesellschaft. Ich vergnüge mich am Schreibtisch und arbeite in der Gesellschaft. Darum meide ich die Gesellschaft.“

„Leute, die über den Wissensdurst getrunken haben, sind eine gesellschaftliche Plage.“

„Erhebt er Anspruch, von der Satire beleidigt zu sein, beleidigt er die Satire.“

271. Kalenderblatt 28. 09. 2025

Letzte Woche hatten wir G. Chr. Lichtenberg das Wort zum Sonntag erteilt. Heute soll es an den österreichischen Satiriker Karl Kraus gehen.

„Lichtenberg gräbt tiefer als irgendeiner, aber er kommt nicht wieder hinauf. Er redet unter der Erde. Nur wer selbst tief gräbt, hört ihn.“

„Das Geheimnis des Agitators ist, sich so dumm zu machen wie seine Zuhörer sind, damit sie glauben, sie seien so gescheit wie er.“

„Witzigkeit ist manchmal Witzarmut, die ohne Hemmung sprudelt.“ Anmerkung von Kommissar Zaungast: Böhmermann und Konsorten und all die ‚Comedians‘ sind lebendige Beweise für diese These.

„Warum schreibt mancher? Weil er nicht genug Charakter hat, nicht zu schreiben.“

„Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht den Journalisten. Die Journalisten sagen: Ohne uns gäb’s keine Kultur! Die Maden sagen: Ohne uns gäb’s keinen Leichnam.“

„Wenn dir etwas gestohlen wurde, geh nicht zur Polizei, die das nicht interessiert, und nicht zum Psychologen, den daran nur das eine interessiert, daß eigentlich du etwas gestohlen hast.“

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