Schlagwort: Halloween

Blatt 045 Vierzehnter Februar 2026

Im letzten Jahr verhinderten aktuelle Entwicklungen, dass zum Valentinstag das Porträt des Serienkillers Johnny Valentine diesen Kalender bereichert. Das Versäumnis bügeln wir nun aus. Johnny Valentine hatte das Problem, das er Valentin immer mit Halloween verwechselte.

Es war also am Valentinstag, als Johnny Valentine seine erste Schandtat ins Werk setzen wollte. Dazu musste er erst einmal seine Muskeln stählen. So dachte er und versuchte, an der Wäscheleine einige Klimmzüge zu machen, doch gleich beim ersten Versuch gab die Leine überraschenderweise nach. Die Wäscheklammern sprangen voller Entsetzen von der Leine, ein weißes Bettlaken fiel auf Johnny herab und hüllte ihn vom Kopf bis zu den Füßen ein. Johnny Valentine beschloss, die ihm zugedachte Rolle als Gespenst anzunehmen, vertagte seine geplante Untat auf das nächste Jahr und ging bei einem Poltergeist in die Lehre. Der Poltergeist erachtete ihn jedoch als völlig untalentiert und weigerte sich, ihn weiterhin in seiner Kunst zu unterweisen. Da wandte sich Johnny an die Liga orthodoxer Marxisten und bewarb sich um einen Job als Devotionalienschänder. Das wurde ihm auf die Dauer zu langweilig und er beschloss, endlich zur Tat zu schreiten. Im irrigen Glauben, es sei Halloween, warf er an einem 14. Februar die Turbine seiner Destruktivität an, die ihn zielsicher auf den Nadir der Sünde führte, wo er auf ein Schwulenpaar in coitu traf. „Blut und Rüben!“ sprach Johnny Valentine, „ihr seid des Todes“, entauptete sie mit einem Krummsäbel und setzte ihnen Kürbisköpfe auf den Halsstumpf.

Über Johnny’s zweite Untat berichten wir eventuell im nächsten Jahr.

304. Kalenderblatt 31. 10. 2025

31. Oktober. Halloween. Horror. Das passende Geschenk zu Halloween wäre gewesen: ‚Zaungast und der Kosmokrator‘, Kriminalgroteske. Leider hat der Chronist nun zu spät darauf hingewiesen. Hier aber eine kleine Kostprobe daraus:

Marie Huana wälzte sich unruhig in ihrem Bett. Unverständliche, zusammenhanglose Worte kamen stoßweise aus ihrem Mund. Unter den geschlossenen Lidern der jungen Frau rollten die Augen in fiebernder Erregung. Marie Huana träumte.

Ein Warnsignal, das sich, aus den Tiefen des Unterbewusstseins kommend, in ihren Traum einschaltete, ließ Marie erwachen. Sie schlug die Augen auf und ließ schwer atmend die Nachwehen ihres Traumes abklingen. Der Vollmond sandte sein Licht in das kleine Fenster unter der Dachschräge, wo Maries Bett stand. Irgendwo unter dem Fenster, im spärlichen Gras, das dort unten noch gedeihen konnte, stridulierte ein einsamer grillenhafter Minnesänger und buhlte mit seinem Gezirpe um eine Gefährtin. Eine nahe Turmuhr schlug zweimal, im Holz des Kleiderschranks tickte die Totenuhr, was nichts Gutes verhieß, wenn der Volksmund Recht hatte. Aber Marie Huana wusste nichts von der Totenuhr, hörte wohl ihr Ticken, war sich aber im Augenblick nicht sicher, ob dieses Geräusch noch der Traumwelt oder schon der Realität zuzuordnen war. Die Frau versuchte, die Erinnerung an den Traum abzuschütteln. Schwer wälzten sich Eindrücke und Gedanken vom Traum hinüber in die Wirklichkeit. Eine unbestimmbare Angst klopfte fordernd an die Tür des Bewusstseins, war nicht willkommen, und fand trotzdem Einlass. Und diese Angst besetzte nun Objekt um Objekt in dem kleinen Schlafgemach. Mochte es dem analytischen Lichtstrahl erhellender Logik auch gelingen, die Angst aus dem einen Gegenstand zu vertreiben, so krallte sie sich doch bald an ein anderes Objekt, das dann die Aufgabe übernahm, dem noch schlaftrunkenen Mädchen Furcht einzuflößen. Der Entschluss, das Licht anzuknipsen, kam halbherzig und wankend, ohnehin war das Mondlicht hell genug, um die Umrisse des Zimmers sowie die darin befindlichen Gegenstände gut voneinander zu unterscheiden. Maries Finger bewegten sich langsam wie die Beine einer tastenden Spinne auf den Lichtschalter zu.

Ein schrammendes Geräusch auf den Dachziegeln ließ die Hand in Erstarrung fallen und klauenartig in der Luft schweben. Ein Kratzen wie von Taubenfüßen, doch es gab keinen Taubenschlag in der Nähe, es waren noch nie Tauben auf dem Dach gewesen. Die Art dieses Kratzens war nicht dazu angetan, den Frieden der Nacht oder einen ruhigen Schlaf zu finden. Das Ding, das dieses Geräusch verursachte, denn ein Tier war es nicht, schien sich in einer bestimmten Richtung fortzubewegen, direkt auf Maries Fenster zu, zentimeterweise kam es voran, langsam, lauernd, unvorstellbar und doch leibhaftig.

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