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166. Kalenderblatt 15. 06. 2025

Drei Schreckgespenster aus der Besenkammer des bundesrepublikanischen Tollhauses satteln ihre Besen und starten zum Hexenritt ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Besenbeck, Besenbock und Besenbach alias Harbesen, Baerbesen und Lauterbesen. Ein blutsaugerisches, parasitäres, schizophrenes Trio von Totalversagern aus deutschen Landen macht sich auf den Weg, das Evangelium des ‚Neue Besen kehren gut‘ in den Vereinigten Staaten zu verkünden. Eine Gentildonna und zwei Gentilhommes, umweht vom Hauch stupender Frivolität und groteskem Pharisäertum. Wer hat dieses Trio infernale von der Leine gelassen? Wir mögen ja froh sein, dass wir sie los sind, doch die Schatten ihres Wirkens liegen bleischwer über unserem Land. Die Unverfrorenheit, mit der sie nun ihre Ansprüche formulieren, leitet sich einzig und allein aus der schizoiden Dynastie des Größenwahns ab.

Klerikiller (Fortsetzung): Der Teufelsschwanz – fuhr es blitzartig durch seinen Kopf. War denn die verdammte Lügenbrühe, die man ihm damals als Kind in den Schädel getrichtert hatte, immer noch nicht in den unberührbaren Tiefen seiner Seele versickert? Doch nur für eine Sekunde spukte der Gedanke an den Teufel in des Heiligen Kopf, dann griff seine rechte Hand beherzt nach dem Schwanz, zog daran und zerrte einen kreischenden Affen zwischen den beiden Nischenheiligen hervor.

Das Kapuzineräffchen! Unglücksbote und Spion der verhassten Kapuzinermönche! Das Affenbiest schnappte mit den Zähnen nach der Hand des heiligen Strohsack. Dieser ließ erschreckt den Schwanz des Tieres fahren, so dass es sich auf und davon machen konnte. Aufgeregt keifend floh es ins Seitenschiff, da wo die schwarzen Büßerinnen sich versammelt hatten, die in ihren Gebeten und Fürbitten versunken, mit niedergeschlagenen Augen vor dem Beichtstuhl saßen, unter ihnen war auch die heilige Pistazie, was man allein schon an dem herrlichen Duft bemerken konnte, der den gesamten Innenraum der Kirche mit Essenzen beweihräucherte, die nicht von dieser Welt zu stammen schienen.

War es nun die Verlockung dieses Duftes, oder war es ganz einfach Zufall, was den Spion dazu veranlasste, sich ausgerechnet unter den Rock der heiligen Pistazie zu flüchten? Denn entkleiden brauchten sich die Nonnen erst im Beichtstuhl. Wir wissen es nicht. Der Aufruhr aber, der unter den Nonnen entstand, war unbeschreiblich. Es war ein Geflatter und Geflappe sich bauschender Schwarzröcke; ein Gekreische und Gejuche, als wäre der Satan leibhaftig unter die versammelten Nonnen gefahren. Die Ordensfrauen stürmten panikartig aus der Kirche, liefen in völliger Aufgelöstheit ins Freie; ihre schwarzen Kopftücher flatterten waagerecht nach hinten wie vom Winde getragenes Rabengeschwinge; in dem langen, bis auf den Boden reichenden Gefältel der Ordenskleider verfing sich der Wind und blähte und zauste es. Eine große Flatter gab es unter den Nonnen.

Fortsetzung folgt

165. Kalenderblatt 14. 06. 2025

Klerikiller-Mythos (Fortsetzung)

Die Stunde der Beichte war herangerückt. Stumm saßen die bußfertigen Nonnen auf den harten Kirchenbänken und ließen die Perlen des Rosenkranzes durch ihre Finger gleiten. Ihre Lippen formten in kaum wahrnehmbarer Bewegung die Gebetsworte, doch nicht einmal ein Flüstern, nur der sanft ausgehauchte Atem entschwebte in die Stille des Kirchenschiffes.

Der heilige Strohsack hatte gerade die Sakristei verlassen, um seinen Beichtstuhl aufzusuchen, als er auf halbem Wege plötzlich innehielt und mit angehaltenem Atem lauschte … auf ein heiseres Flüstern lauschte. Es klang wie eine Hetzrede; leise, verstohlen, giftig. Der heilige Strohsack schaute nach links, von wo das Geflüster zu kommen schien. Er traute seinen Augen nicht.

Zwei konspirativ dreinschauende Säulenheilige: Der heilige Furunkel und die heilige Latrine, die sich in eine Nische eines der großen Kirchenpfeiler geduckt hatten, schienen miteinander zu tuscheln. Der heilige Strohsack lauschte, ob er denn verstehen könne, was die beiden so miteinander sprachen, was sie sich zu sagen hatten. Sie schnatterten allerdings in einer ihm völlig unbekannten Sprache, mit fremdartigen Lauten, redeten zudem irrsinnig schnell, dass es sich anhörte, als liefe ein Tonband, auf dem Stimmen aufgezeichnet waren, mit viel zu hoher Geschwindigkeit ab.

Dann erblickte der heilige Strohsack in jähem Entsetzen einen geringelten, schwarzbraunen Schwanz, der sich wie der Arm einer Krake um die heilige Latrine gelegt hatte. Der Teufelsschwanz – fuhr es blitzartig durch seinen Kopf.

Fortsetzung folgt.

164. Kalenderblatt 13. 06. 2025

Warten auf den dreisilbigen Distanzruf. Eine Parabel. Samuel Beckett gewidmet.

Sintek hatte Recht gehabt, als er behauptete: Blattschuss. Der heillos zerstrittene Sohn Hektors und sein Akolyth, der haarige Pendler, zogen weite Kreise um die Wüste Eden, zogen auch eine Mauer hoch, verwandelten die Wüste in einen Sandkasten für untote Kinder. Die flirrende Luft spiegelte ihnen eine Vision von unermesslicher Schönheit vor. Aber es war nur ein Pelikan. Sein Name war Botschen. Er sagte: „Ich habe Bauchschmerzen.“ Der haarige Pendler blickte zu Boden. „Da!“ sagte er. Eine fette Karikatur hatte ihre Fußspuren im Sand hinterlassen. Alle warteten sie auf den dreisilbigen Distanzruf. Aber sie wussten nicht, wann er kam, woher er kam, und ob er überhaupt kam. Gegen Mittag fanden sie einen abgebrochenen Ast von einem nicht vorhandenen Baum. Er diente ihnen als Wünschelrute und führte sie zur Quelle der Wahrheit, aus der ätzend Pisse aufstieg.

163. Kalenderblatt 12. 06. 2025

Aus Kommissar Zaungasts Aphorismen-Sammlung

Phlegmatisches Denken verkehrt sich in den daraus resultierenden Handlungsweisen nicht selten in sein Gegenteil und wird cholerisch. Als Beispiel mögen hierfür Politiker dienen. Phlegmatisch im Denken, cholerisch vom Temperament.

Von der Spule ihrer gedankenlosen Torheit läuft ein starkes, festes Tau. Von den Spulen ihres Denkens aber läuft ein Zwirnsfaden. Von der Spule ihres Hochmuts läuft ein Galgenstrick.

Die Gehirnakrobatik des Friedrich Merz: Dem logischen Purzelbaum folgt eine Rolle rückwärts.

Auch über dem Stammbaum der Adelshäuser thront ein Affe.

Das Spießige am Spießbürger ist das Stumpfe seines Denkens.

Man kann bisweilen einen Sinn aus einem Unsinn herleiten. Einen Unsinn aus einem Sinn ableiten, das geht immer.

Der erste Schleudersitz der Geschichte war vermutlich ein Thronsessel.

162. Kalenderblatt 11. 06. 2025

Klerikiller Gründungsmythos (Fortsetzung)

Wenige Wochen nach Schwester Pistaziens Einzug in diesen Hort der Weltabgeschiedenheit, breitete sich im Kloster ein himmlischer Geruch aus. Ein Duft, der ohne Beispiel war, der eine Ahnung vom Paradies anklingen ließ; ein Duft wie von Schuhflickerorangen, von Weihrauch, Myrrhen, Sankt Rochus-Kraut, den erlesensten Parfümen Fabrizio Manikornes, Engelsodem und Hurenschweiß. Dieser Geruch schien direkt von der Novizin Pistazie auszugehen, ihren Poren zu entströmen, ihr Atem war davon geschwängert, ihr Schweiß davon durchtränkt.

Dass diese Nonne ein tiefes Geheimnis in ihrem Wesen barg, das ahnte Pater Spagatius alias der Heilige Strohsack schon lange, noch bevor sie diesen paradiesischen Geruch ihren Poren entströmen ließ. Vielleicht witterte ja sein Unterbewusstsein ihren vergifteten Heiligenschweiß. Jedenfalls wahrte er lange Zeit vorsichtige Distanz zu dieser verlockend geheimnisvollen Person.

Doch der Drang, sich ihr zu nähern, sie endlich zu besitzen, zu beherrschen – körperlich und geistig – der wucherte wie geiles Urwaldgestrüpp, gärte in seinem Inneren wie Hefe. Er erwog, den von ihr ausgehenden himmlisch-seraphischen Geruch als Teufelswerk zu brandmarken und zu verdammen, um sich ihrer dann zu bemächtigen, aber aus den Tiefen seines Unbewussten reckte sich ein warnender Zeigefinger steil in die Höhe und gebot ihm unmissverständlich Halt. Der Mönch war in einer Aufgewühltheit, wie er sie in seinem neuen umgekrempelten Dasein noch nie erlebt hatte, er zweifelte am Sinn seiner Verwandlung, trieb nun beinahe jede Woche den Teufel aus einer Nonne, ein schales Vergnügen, denn es zog ihn zu exquisiteren Formen der Lust hin, zu durch frisches, blaues Blut geadelten Praktiken. Es gelüstete ihn auch plötzlich wieder zu töten, seine Rolle als Exorzist mochte das Verlangen lange Zeit unterdrückt haben, jetzt brach es wieder aus ihm hervor. Jetzt, wo eine rätselhafte Schranke sich zwischen seinen despotischen Willen und dem auserkorenen Gegenstand seiner Begierden gesenkt hatte. Entweder, es gelang ihm bald, diese Schranke niederzureißen, beziehungsweise zu durchbrechen, oder er würde gezwungen sein, dem Wildbachrauschen in seinen Adern zu folgen, das den Blutdurst der inneren Bestie längst aufs Neue geweckt hatte.

Fortsetzung folgt

161. Kalenderblatt 10. 06. 2025

Klerikiller (Fortsetzung) Pater Spagatius

Der Priester, der die Messen im Kloster der rabenschwarzen Büßerinnen zelebrierte, war ein Mönch, dessen ebenmäßige Schönheit, was sowohl das Gesicht als auch den Körperbau anbetraf, etwas beinahe Teuflisches hatte in ihrer widernatürlichen Vollkommenheit. Er nannte sich Pater Spagatius. Im Konvent, dem er angehörte, nahm er eine – wenn nicht herausragende – so doch bemerkenswert auffällige Stellung ein. Er wurde von keinem der Mitbrüder geliebt; obwohl sie ihm nichts vorzuwerfen hatten, mieden die meisten seine Gegenwart, viele hegten sogar eine heimliche Furcht vor ihm. Aber die rabenschwarzen Büßerinnen verehrten diesen Mann mit einer abgöttischen Hingabe und Liebe. In Ehrfurcht versunken hingen sie an seinen Lippen, wenn er predigte oder ihnen die Beichte abnahm. Auch auf die junge Postulantin Pistazie machte dieser Mönch einen bleibenden Eindruck. Keine der Schwestern, nicht einmal die ehrwürdige Mutter Rabea, konnte sich dem geheiligten Einfluss dieses Mannes entziehen, dessen Herkunft unter einem Schleier des Geheimnisses verborgen lag, den zu lüften noch keinem Menschen vergönnt war.

Alle Nonnen, die Oberin eingeschlossen, mussten zur Beichte ungewaschen und nackt vor ihrem Beichtiger erscheinen, was folgenden, leicht nachzuvollziehenden Grund hatte: Aus der Art und Beschaffenheit des Körpergeruchs erkennen nämlich die wahren Heiligen Art und Schwere der Sünden, denn Sünden stinken. Derjenige, der diese Methode klerikaler Diagnostik am perfektesten beherrschte, war zweifellos der heilige Josef von Cupertino. Aber auch dieser adonisgleiche, rätselhafte Mönch, der zweimal die Woche das Kloster der rabenschwarzen Büßerinnen aufsuchte, um den Nonnen dort die Beichte abzunehmen oder die heilige Messe zu lesen, beherrschte diese Kunst in hohem Maße. Nachdem die Ordensfrauen ihm also ihre Sünden gebeichtet hatten, beschmierte der Beichtvater ihre nackten Leiber mit violetter Farbe, welche die Farbe der Büßer und Exorzisten ist. Manchmal mussten die Büßenden diese Farbe auch trinken, und zwar in jenen Fällen, wo der Beichtiger eine ganz bestimmte Witterung aufgenommen hatte: Das verräterische Gemisch von Ausdünstungen wilder Bestien, fauler Eier und schwefelhaltiger Quellen – den Teufelsgestank. In einem solchen Fall war dann in der Regel auch noch ein Exorzismus angesagt, praktiziert vom Pater Spagatius auf dem Nachtlager der vom Teufel verhexten Nonne, indem er mit seinem heiligsten Organ in jene eindrang.

Fortsetzung folgt

160. Kalenderblatt 09. 06. 2025

Neunter Juni 1886. In ganz Deutschland und speziell in Bayern erheben sich lauthals Klage und Protest zum weiß-blauen Himmel. König Ludwig der Zweite wird durch ein Gutachten, das dem Gutachten des Verfassungsschutzes über die AFD in seiner Dürftigkeit in nichts nachsteht, entmündigt. Federführend bei dem fadenscheinigen Gutachten war Doktor Gudden, der Ahnherr des Verfassungsschutzes. Der Überlieferung nach bediente sich auch König Ludwig einst jener verfemten Worte, deren Exklusivrechte in einem weisen Entschluss Herrn Hitler zugesprochen wurden: a… f… D…

159. Kalenderblatt 08. 06. 2025

Letztes Jahr zu Pfingsten traf es die Eichhörnchen, davor die Ameisenbären und davor die Eintagsfliegen. Der Heilige Geist warf ein erhellendes Licht auf den Verständnishorizont dieser Auserwählten. Wann endlich erlöst der spirituelle Führer der göttlichen Trinität die in unermesslicher Blödsinnigkeit versumpfenden Politiker aus ihrer grotesken Bedarftheit und illuminiert auch deren Horizonz?

158. Kalenderblatt 07. 06. 2025

Aus Kommissar Zaungasts Abbreviaturen-Lexikon

AFD (Kann nur verschlüsselt wiedergegeben werden. Ansonsten landet der Lexikograph im Knast) ARD (Allgegenwärtig Rotierende Desinformation) BSW (Beschränkte Subkortikale Wahrnehmung) CDU (Christdemokratisch Definierte Unmoral) CSU (Christliche Werte Sabotierende Union) DB (Dauer-Baustelle) DFB (Deppertes Fusslastiges Banausentum) EKD (Enklave Kalamitärer Dummköpfe) EU (Erbarmenswürdige Untauglichkeit) KI (Kognitive Insuffizienz) NATO (No Action Talk Only) NGO (Niederträchtig Gesinnte Oligarchie) SPD (Sozial Parasitäre Dummköpfe) ZDF (Zentralstelle Defätistischer Fake-News)

157. Kalenderblatt 06. 06. 2025

In seiner Abhandlung über Literatur und Psychoanalyse bezieht Carl Gustav Jung Stellung zu den Wesensmerkmalen phantastischer, grotesker Literatur. Vorab trifft er eine grobe Unterteilung in psychologische und nicht psychologische Literatur. Unter psychologischer Literatur versteht er alles, was sich im Rahmen der Psychologie erklären lässt, wie Liebe, Hass und andere menschliche Gefühlsregungen. In nicht psychologischer Literatur hingegen ist alles rätselhaft, sie speist sich aus der unbewussten Tiefe der Autoren, wobei der Autor verzweifelt nach Worten ringt, ein Adjektiv auf das andere wälzt, um dem Ausdruck zu verleihen, was aus seinem kollektiven Unbewussten aufsteigt. In dieser Literatur sah Jung die – zumindest für den Psychoanalytiker – interessantere Literaturform, was allerdings nichts über den literarischen Wert der Werke von Autoren wie Lovecraft oder Rider Haggard aussagen soll. Auch in Goethes Faust findet sich diese Gegenüberstellung von psychologischer und nicht psychologischer Literatur. Faust 1 ist psychologisch erklärbar, in Faust 2 bleibt alles im unbewussten Dunkel. Carl Gustav Jung starb heute vor 64 Jahren, zu früh, um auch Kommissar Zaungast kennenzulernen.

Am gleichen Datum des Jahres 1880 wurde Norbert Jacques geboren, der Schöpfer des Doktor Mabuse, den wir bereits auf einem früheren Blatt dieses großartigen Kalenders gewürdigt hatten.

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