Erstes Kläppchen

„Ah, eine Kerze, passend zum ersten Advent. Aber die hatten wir doch letztes Jahr schon. Wie langweilig. Aber Moment, das scheint mir eine besondere Kerze zu sein.“ Kommissar Zaungast zündet sie an. Dichter, beißender Rauch vernebelt sein Büro. Eine Nebelkerze also. Die Universalwaffe von Politik und Medien. Mittlerweile so unentbehrlich für den Politiker wie der Phallus für den Zuchtbullen. Advent, Advent, die Lunte brennt. In Gießen und im ganzen Land.

Zweites Kläppchen

Eine Schallplatte. Sicher ein Weihnachtslied! Nein, Elvis. Viva Las Vegas! Das wäre eher etwas für Herrn Schwanz, Zaungasts Mitarbeiter. Passt aber auch zum Advent. Die Lichtverschmutzung an zahlreichen Hausfassaden beleidigt und verhöhnt den bethlehemitischen Geist und zelebriert den von Las Vegas. Gute Nacht Bethlehem, viva Las Vegas. Demnächst wird es erschallen: Zicke Zacke, Zicke Zacke, Mekka, Mekka!

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Drittes Kläppchen

Was haben wir denn da? Ein Notenblatt. Das scheint heuer ein musikalischer Adventskalender zu werden. Ein Adventslied in F-Dur mit Text. ‚Macht hoch die Tür, die Tor macht weit‘ … Zaungast hat genug gelesen. Der linke Bischof Batzen hat es gewagt, einen Anker in seinen Kalender zu werfen. Die muselmanische Invasion erhält den kirchlichen Segen. Zaungast ist aufs Äußerste ergrimmt und reißt das Notenblatt in Fetzen.

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Viertes Kläppchen

‚Nanu, Haare‘ wundert sich Zaungast. ‚Vom Knäblein selbst, holder Knabe im lockigen Haar? Oder doch Engelshaar? Aber der güldene Glanz fehlt, es ist nicht einmal blond, es ist von unansehnlichem Grau. Zaungast fingert das Haarbüschel aus dem Kläppchen. Es fühlt sich klebrig an, der Kommissar definiert es als Spinnweben von der Nosferatuspinne. Oder ist es gar das Haar der Medusa? Aber wo sind die Schlangen? Wird das nächste Kläppchen Aufschluss geben? Abwarten, Herr Kommissar.

Fünftes Kläppchen

Eine Krippe … aber wo ist das Kind? Es liegt nur Stroh darin. Eine Futterkrippe? Haben wir hier etwa das Stroh aus den Strohköpfen unserer Politiker? ‚Leider gibt es unter dem Wahlvolk genug Ochs und Esel, die das Zeug bedenkenlos fressen‘, denkt sich Kommissar Zaungast.

Sechstes Kläppchen

Zaungast öffnet das sechste Kläppchen, wobei ihn das Gefühl überkommt, dass es eigentlich erst das fünfte Kläppchen sein dürfte. „Ah, ein Brief“, sagt Kommissar Zaungast. „Letztes Jahr hatten wir auch einen Brief. Von der kleinen Mary, wenn ich mich recht entsinne. Und dieser ist wieder von Mary. Mal sehen, was diesmal drin steht. Mary schreibt: ‚Lieber Herr Kommissar, kann ein Weihnachtsmann sterben? Du sagtest, mein Papa sei der Weihnachtsmann. Doch mein Papa ist am Schlagfluss gestorben in dem Moment, wo er den Korken aus der Flasche zog, mit der er Mama erschlagen hat.‘

Zaungast schreibt: ‚Liebe Mary, sei froh, dass der Alte endlich krepiert ist. Aber es gibt noch andere Weihnachtsmänner. Einer der schlimmsten ist der Papa Gai oder Nickerlaus, der alles nachplappert und abnickt, was böse und dumme Menschen ihm zuflüstern. Jawohl, es ist der Kanzler.‘

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Kommissar Zaungast ist vorgeprescht und hat das erste Kläppchen einen Tag zu früh geöffnet. Deswegen öffnen wir die nächste Pforte erst am morgigen Sonntag!

Siebtes Kläppchen

Gestern kam der Weihnachtsmann und hat einen Zettel hinter das Kläppchen gesteckt. Ein Fingerabdruck des Stinkefingers Miersch identifiziert den Zettel als linkes Pamphlet. „Da haben wir es schwarz auf weiß. Die fiebernde Begierde, die Nazikeule zu schwingen statt sich zivilisierter, geistiger Waffen zu bedienen, ist den Linken mit dem Stroh in die Wiege gelegt worden“, sagt Zaungast und zitiert, was auf dem Zettel steht:

„Nun kommt auch Franz Josef Strauß, stellt sich vor als Nikolaus: Todesstrafe, Todesschuss und dazu der deutsche Gruß. Nur die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber.“ Die Persiflage eines Weihnachtsliedes aus den 70er Jahren, zu singen auf die Melodie von ‚Morgen kommt der Weihnachtsmann.‘

Achtes Kläppchen

Ein Adventskranz befindet sich hinter der achten Klappe. Zaungast greift in das offene Türchen und sagt sich: ‚Ein Lorbeerkranz für mich, für Kommissar Zaungast.‘ Doch sogleich zieht er den Finger wieder zurück. Ein Blutstropfen perlt an seinem Zeigefinger. „Schon wieder ein Medusenhaupt, diesmal mit Schlangen darin!“ ruft der Kommissar empört. (siehe 4. Kläppchen) Er greift nach einer Zange und zerrt den Kranz heraus. Er schüttelt ihn, doch weder Schlange noch Skorpion zeigen sich. Das Grünzeug und etwas Lametta rieseln zu Boden und es offenbart sich dem staunenden Kommissar eine Dornenkrone. Wer sich die Lorbeeren verdienen will, sollte vorher die Dornen gespürt haben, Herr Kommissar.

Neuntes Kläppchen

Im neunten Kläppchen nistet eine Taube, eine weiße Taube. In einigen Weihnachtsliedern erscheint der Verkündigungsengel als weiße Taube. Daran erinnert sich Zaungast nun. Der Kommissar stutzt. Aber der Vogel ist ja gar nicht weiß, er ist grau. Und er hat noch nicht einmal Flügel. Und das Vieh keift tatsächlich den Kommissar an. „Ratte!“ entfährt es Kommissar Zaungast, „Ratte der Lüfte!“ Zaungast schließt das Kläppchen wieder und schickt eine Depesche nach Hameln.

Zehntes Kläppchen

Zaungast schnüffelt an dem zehnten Kläppchen. „Riecht aber gut“, sagt er. Er öffnet das Türchen und findet ein Pfefferkuchenhaus. Und nicht nur das, nein, ein ganzes Diorama. Hänsel und Gretel haben sich im Pfefferkuchenhaus verschanzt. Sie hängen das weiße Laken der Kapitulation aus dem Fenster, das Sterbelaken der westlichen Zivilisation. Vor dem Haus haben sich die Jünger und Töchter des Propheten Mohammed versammelt und verlangen Zutritt in die gute Stube, ins Schlaraffenland. „Es geht also schneller als man gedacht hat“, beklagt Zaungast die neuen Verhältnisse.

Elftes Kläppchen

Mal wieder ein Zettel. Was hat sich diesmal dort angezettelt? Aha, das Weihnachtsmenü. „Hallelujah! Alles vegetarisch: Gemüse, Obst und Eier“, wundert sich Zaungast. „Hallel… äh … Halal!“ ruft er entrüstet wie schon gestern. Ein rein muslimisches Menü. Der Kalif kocht, der Kommissar kocht vor Wut.

Zwölftes Kläppchen

„Hoffentlich mal wieder etwas was an das gute alte Weihnachten erinnert“, hofft Kommissar Zaungast, als er das zwölfte Kläppchen öffnet. Ah, eine Schalmei, das Instrument der Hirten. Der Kommissar versucht, dem Holzblasinstrument Wohlklänge zu entlocken. Vergeblich. In sechs der sieben Grifflöchern nistet der Wurm, Zaungast bläst wie Europa aus dem letzten Loch, die anderen sind bereits vom Muezzin belegt. Weihnachten 2025.

Dreizehntes Kläppchen

Ein bunter Schlitten kommt zum Vorschein, als Zaungast das dreizehnte Kläppchen öffnet. Ein Schlitten, gezogen von den Reitern und Pferden der Apokalypse. Auf dem Kutschbock ein skurriler Weihnachtsmann, als Sozius hat er einen sozialistischen Knecht Ruprecht dabei, der sich allerdings als Herr aufspielt. „Nanu, die beiden kenn ich doch“, sagt Zaungast, „denen macht das Schlittenfahren großen Spaß, vor allem ist es ihre Passion, mit den Bürgern Schlitten zu fahren. Und wenn sie nicht bald gestoppt werden …“

Vierzehntes Kläppchen

Ein Löckchen hinter dem vierzehnten Kläppchen. Von einem Engel? Ein richtiges Engelslöckchen, oder doch nur von einer Putte? Nein, es ist weder das eine noch das andere. Es scheint ein schnöder Hobelspan zu sein. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Wo aber kommt die rote Farbe her? Jetzt geht Zaungast ein Adventslicht auf. Der Hobel war ein Skalpmesser, und was er da vor sich sieht ist eine Skalplocke, ist der Skalp des alten weißen Mannes.

Fünfzehntes Kläppchen

Darin findet Zaungast eine Speckschwarte. Die passt ja so gar nicht in einen Adventskalender. Oder vielleicht doch? Zaungast erinnert sich des alten Brauches aus dem Baltikum, den abgeschmückten Weihnachtsbaum für die Vögel mit Speckschwarten zu behängen und in den Garten zu stellen. Mit Speck lockt man also nicht nur Ratten und Mäuse, sondern auch schräge Vögel. Da befindet sich noch ein Schriftzug auf der Oberseite der Schwarte: Bürgergeld.

Sechzehntes Kläppchen

Etwas schnattert hinter dem sechzehnten Kläppchen. Ist es etwa die rote Heidi? Nein, es ist die Weihnachtsgans. Noch im hübschen Federkleid. Schon bald werden wir sie wiedersehen, braungebrannt und knusprig und duftig aromatisch. Tot allerdings. Und ein bis zwei Tage später, da ist das, was von der Gans übrig ist, immer noch braun, aromatisch allerdings nur für die Fliegen. Lasst euch die Weihnachtsgans trotzdem schmecken!

Siebzehntes Kläppchen

Zaungast nimmt seinen Adventskalender zur Hand und bemerkt, dass hinter dem siebzehnten Kläppchen etwas klimpert. ‚Das hört sich aber nicht nach dem Wohltemperierten Klavier an‘, muss Zaungasts Seismograph für klangliche Delikatesse feststellen. Auch Harfenklänge sind das nicht. Er öffnet die Klappe und ihm entgegen purzeln … die Sterntaler. ‚Schnöder Mammon‘, zeigt sich der Kommissar enttäuscht. Das Weihnachtsgeld, für viele das Wichtigste an Weihnachten.

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Vierundzwanzigstes Kläppchen (Adventskalender 2024)

Die zwei Dutzend sind voll. Das Eine dreckiger als das Andere. „The Dirty Dozens“ sagt Herr Schwanz, Zaungasts Assistent, der sich heute zur Feier des Tages ebenfalls vor dem Kläppchen eingefunden hat, vor der großen Klappe, dem vierundzwanzigsten Türchen.

„Klappe auf!“ krakeelt Zaungast. Schwanz öffnet das Türchen.

Ja, was ist denn das? Ein Kackstuhl! Da sitzt auch einer drauf … und kackt. Aber er hat den beiden Kriminalen Rücken und Arsch zugewandt. Unter seinem Stuhl dreht sich eine mit Wasser bedeckte Kugel, worauf seine Exkremente schwimmen, fünf große Fladen sowie einige kleinere Klumpen. Nun wendet er sich um, sieht Zaungast und Schwanz direkt ins Gesicht … und da trampelt das Grauen mit Zyklopenfüßen ihren Verstand nieder. Von all den morbiden Schrecken, die jemals den angstgeknechteten Hirnen der Menschen brunftig aufhockten, ist dies der schlimmste. Jawohl, es ist der himmlische Vater, der Unbeschreibliche, der Schöpfer.

„Klappe zu!“ krakeelt Zaungast.

Das war Zaungasts Adventskalender 2024. Eventuell gibt es auch im nächsten Jahr einen zaungarstigen Adventskalender. Wer nicht so lange warten möchte: Ab dem ersten Januar 2025 reißen wir Tag für Tag ein Blättchen von Zaungasts Jahreskalender 2025 herunter. Garstiges, Groteskes, Unsinniges.

Frohe Weihnachten allerseits!

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Dreiundzwanzigstes Kläppchen

Kommissar Zaungast steht vor der noch verschlossenen Tür des vorletzten Kläppchens seines Adventskalenders. Ein feiner Qualm dringt aus den Ritzen. Er formiert sich zu Buchstaben, zu einer Botschaft. Der frohen Botschaft?

Nein, zu einem SOS. ‚Ein SOS-Rauchzeichen, also müssen wir ihn rauslassen, wer immer sich dort hinter dem Kläppchen verbergen mag, der Satan wird es schon nicht sein‘, denkt sich Zaungast, obwohl der Rauch verdächtig nach Bilsenkraut, Stechapfel und Myrrhe duftet, Essenzen, die dem Teufel angeblich genehm sind.

Zaungast öffnet das Türchen. Es ist nicht der Satan, es ist ein Räuchermännchen mit einer Pfeife und einer daran hängenden Lunte. Ein Pfeifenkopf randvoll mit Zündstoff, Weihnachts-Zündstoff. Hektik, Aggressivität, Ungeduld … beim Einkauf, im Straßenverkehr, auf der Arbeit und zu Hause. Typische Festtags-Hyperaktivität, von der Konvention befohlener Frohsinn, Liebe auf Bestellung, auf Knopfdruck. Und all dies mündet schließlich in stressbedingte Krankheitsbilder, in Familienstreitigkeiten, Selbstmord und Mord. Zaungast kennt das. Weihnachtszündstoff, der sich alle Jahre wieder pünktlich zum Fest entlädt.

Advent, Advent, die Lunte brennt.

Morgen öffnen wir also das letzte Kläppchen dieses großartigen Adventskalenders. Doch schon ab dem ersten Januar geht es weiter. Täglich reißen wir dann ein Blatt herunter von Zaungasts Jahreskalender. Die Tagesration an fidelem Unsinn, die doch ein jeder Mensch benötigt. Für alle diejenigen, die im Unsinn, im Grotesken den Kern der Wahrheit suchen möchten.

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Zweiundzwanzigstes Kläppchen

Na also, da haben wir es doch! Endlich ein Inhalt, bei dessen Anblick Zaungast Ehrfurcht überkommt, wo er nicht sudeln mag. Und tatsächlich, welch eine Andacht, welch eine Hingabe, welch hehre Liebe!

Zwei Wesen, die den Inbegriff der Frömmigkeit verkörpern: zwei Gottesanbeterinnen. Sie leben und sie feiern Hochzeit, beschließen den heiligen Bund für neues Leben. Kopulation für Population. Sie praktizieren die reine, geläuterte Liebe, nicht verhätschelnde Affenliebe und Krippenseligkeit. Statt dessen ein Zum-Fressen-Gernhaben. Und Zaungast staunt, denn während das Geschlechtsteil des Männchens noch die Begattung vollzieht, hat das Weibchen bereits damit begonnen, den Kopf ihres Gemahls zu verspeisen und ihn so vom Gemahl zum Mahl zu machen. Liebe geht halt durch den Magen. Gerade und besonders auch zu Weihnachten.

Lasst Euch den Weihnachtsbraten schmecken!

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Einundzwanzigstes Kläppchen

Beinhaltet aus aktuellem Anlass einen mit Nelken bestückten Kranz, den dunklen Nelken des Todes, der Kranz zudem gespickt mit einem Wust von Zetteln, auf denen sich die stereotypen hohlen Phrasen von Politikern finden, derer zu gedenken, die heute ihre Haut zu Markte getragen haben.

Diesmal verkneift sich Zaungast den Kommentar, der ihm auf der Zunge liegt.

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Zwanzigstes Kläppchen

Endlich mal etwas Süßes. Süßigkeiten gehören doch zu Weihnachten wie die Semmel auf den Frühstücksteller. Obwohl Zaungast einer Flasche Bier gewiss den Vorzug geben würde. Im Kläppchen findet er einen Fliegenpilz aus Schokolade, umhüllt von bunter, glänzender Folie. Und die Füllung? Nougat, Melba? Nein, Knickebein. Zaungast entblättert den Fliegenpilz und heraus fällt ein Zettel mit einem Diagramm. „Knickebeine!“ entfährt es Zaungast. Vier geknickte Menschenbeine in einem kreisförmigen Diagramm. Das Satanskreuz der Templer! ‚Immer noch besser als der Halbmond‘, denkt sich Zaungast.

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Neunzehntes Kläppchen

Es beinhaltet eine Reliquie, eine Rabenschwinge, geheiligte Insignie des weltabgeschiedenen Klosters der Rabenschwarzen Büßerinnnen, innerhalb dessen düsterer Mauern einst ein geheimnisvoller Mönch des Terpentiner Ordens den Nonnen den Teufel austrieb, indem er mit seinem heiligsten Organ hechelnd in sie eindrang. Die Ordensinsignien der Rabenschwarzen Büßerinnen waren wohl ursprünglich zwei immergrüne Palmzweige gewesen, die sich aber dank eines von der Kirche offiziell beglaubigten Wunders über Nacht in Rabenschwingen verwandelt hatten, was die ehrwürdige Mutter Rabea, Äbtissin besagten Klosters, dazu veranlasste, die exorbitant strengen Bußübungen und Selbstkasteiungen ihrer Schutzbefohlenen noch einmal zu verschärfen. Und doch konnten auch diese drastischen Maßnahmen nicht verhindern, dass eine ihrer Novizinnen – Furzilla Stinker alias die Heilige Pistazie – auf dunkle Abwege geriet, indem sie mit jenem geheimnisvollen Terpentiner Mönch ein Verbrecherduo gründete, welches als Bonnie und Clyde im Ordenskleid beziehungsweise als ‚Die Klerikiller‘ Stadt und Land terrorisierte. Zaungast hatte damals in diesem äußerst verwickelten und brisanten Fall die Ermittlungen geleitet. Die Rabenschwinge war für den Kommissar also Reliquie und Erinnerungsstück zugleich und von daher verdient sie sich auch einen Platz in seinem Adventskalender.

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Achtzehntes Kläppchen

„Na, da schau her!“ Zwei nackte Engel in coitu. Doch einer davon trägt seltsamerweise einen Bart. „Verdammte Tat!“ ruft Zaungast empört. Vögelt da etwa der himmlische Vater eines seiner Engelchen? Ist dem Missbrauch denn heutzutage auch schon das Himmelstor geöffnet? Vater, dein Wille geschehe, wie im Himmel … so auf Erden!?

Und wie der himmlische Vater sein Engelchen missbraucht, so missbraucht der Vater auf Erden seine Tochter. Einige Väter tun dies mit menschenverachtender brutaler Gewalt, die anderen tun es in Gedanken. Zaungast weiß, wovon er redet, auch wenn er keine Tochter hat.

Das Fest der Liebe rückt näher.

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Siebzehntes Kläppchen

Eine Christbaumkugel kullert heraus. ‚Ist die schwer‘, wundert sich Zaungast. Ach so, die ist aus Glas, eine besondere Christbaumkugel. Eine Glaskugel, mit der man in die Zukunft blicken kann, und sie zeigt dem Kommissar sogleich bewegte Bilder. Zaungast sieht den leuchtenden Stern von Bethlehem, aber er hat seinen Schweif eingebüßt. Und nun wird auch der Stern blasser und blasser, bis er sich schließlich in feinstem Nebel aufgelöst hat. Und auch der verflüchtigt sich schnell in schwärzestes Dunkel. Doch da schiebt sich klammheimlich der Mond ins Bild, mit der Strahlkraft der Verblendung zieht er seine Bahn durch die Kugel. Aber es ist nicht der Mond urdeutscher Romantik, es ist auch nicht der Mond von Wanne Eickel. Es ist der muselmanische Halbmond!

Wird dieser über dem Weihnachten der Zukunft stehen? fragt sich Kommissar Zaungast.

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Sechzehntes Kläppchen

Oh … ein lecker Häppchen … hinter dem Kläppchen. Lebkuchen augenscheinlich. In Form eines Herzens.

Das Herz, Symbol der persönlichen Anteilnahme, der Zuneigung, der Liebe. Doch nach Zaungasts Dafürhalten ist die Liebe weder ein Phänomen des Herzens, noch ist sie ein Phänomen des Geistes. Sie ist vielmehr ein Phänomen des Unterleibes. Die Liebe zwischen den Geschlechtern sowieso. Die Liebe in der Familie … ebenso, nur kaschiert und versteckt. Und die Liebe zu Gott, die religiöse Hingabe … fehlgeleitete Brunst.

„Was ist denn das für ein Gestank hier?“ fragt sich Zaungast. Ist das etwa gar kein Lebkuchen? Ist das etwa … ja, tatsächlich, das ist unzweifelhaft ein Stoffwechselprodukt tierischer oder menschlicher Provenienz. Aus der Krippe vermutlich. Vom Ochs oder vom Esel? Oder vom Judas? Oder vom Kind? Zaungast vermag es nicht zu entscheiden. Er sucht seine Zuflucht zu den Wegen und Mitteln der Diplomatie und definiert die braune, weiche Masse als Mousse au chocolat. „Scheiß drauf!“ sagt er.

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Fünfzehntes Kläppchen

Der Stern von Bethlehem. Himmelserscheinungen wie dieser waren von jeher Spekulationsobjekte der Auguren, insbesondere der Untergangs- und Endzeitpropheten. Wie konnte es geschehen, dass vor circa zweitausend Jahren die Heilsverkünder sich an diesen Kometenschwanz gehängt haben? Das fragt sich Kommissar Zaungast. Der Stern, welchen Weg wollte er uns weisen? Er und derjenige, welcher unter diesem Stern geboren ist? ‚Der Standhafte‘ oder ‚Das Stehaufmännchen‘, wie Zaungast den Messias der Christenheit stets genannt hat. Ohne jedweden blasphemischen Beigeschmack, denn Kommissar Zaungast ist sich dessen bewusst, dass man Gott nicht lästern kann. Gott ist jenseits allem, was sich beleidigen oder lästern lässt.

Der Erfolg des Stehaufmännchens beruht entweder auf der Unzulänglichkeit seiner Lehre oder auf einem Missverstehen seiner Lehre, also der Unzulänglichkeit seiner Apologeten und Adepten. Wahrscheinlich aber sind beide Faktoren für die Nachhaltigkeit seines Erfolges verantwortlich zu machen. Glaubt Kommissar Zaungast. Denn einer aus tiefster Wahrheit keimenden Idee kann niemals ein Erfolg vergönnt sein, nicht einmal einer guten Idee. Die Tyrannei der Mediokrität verhindert dies. Glaubt Kommissar Zaungast.

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Vierzehntes Kläppchen

Zaungast öffnet das vierzehnte Kläppchen und stößt dort auf eine weitere Krippenfigur. Auf Judas, den Verräter. Aber was hat der Halunke in einer Krippe verloren? Trägt er etwa den Verrat schon an die Wiege heran? Und auch um seinen Hals baumelt ein Namensschildchen. ‚Friedrich, der Gernegroße‘ steht da zu lesen; der Verräter urchristlicher Tugenden. Ja, auch an der jungen Generation übt er Verrat. ‚Friedrich der Gernegroße‘ so steht’s auf dem Zettel. Aber er verkümmert doch nur als ein Mauerblümchen an einer Brandmauer.

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Dreizehntes Kapitel

„Na also“, zeigt sich Kommissar Zaungast erfreut, „da haben wir ja die ersten Krippenfiguren … Ochs und Esel. Leider synthetisch, aus billigem Kunststoff. Und das Preisschild hängt auch noch daran. Völlig überteuert! Und sogar Namen hat man Ochs und Esel gegeben: Olaf und Robert.

Muss nun der Verfasser dieses großartigen Adventskalenders mit dem baldigen Besuch des Verfassungsschutzes rechnen?

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Zwölftes Kläppchen

„Nanu, schon wieder ein Zettel“, wundert sich der Kommissar. „Diesmal ein Wunschzettel von … äh … Eva. Mal sehen, was sich das Kind so alles wünscht.“

Ein Pferdchen zum Reiten und Reiben für mein juckendes Geschlecht. Eine Vogelspinne für mein Ego, um damit meinen Freundinnen zu imponieren und ihnen vielleicht Angst zu machen. Einen Schmusekater zum Streicheln und einen Goldesel zum Kacken. Und eine Gans im Backofen.

„Und eine Rute zum Stäupen, du Satansbraten“, fügt Zaungast schmunzelnd hinzu.

Fröhliche Weihnacht überall, im Pferdestall, im Terrarium, im Backofen. Tierische Weihnacht. Denn zum Fest der Liebe sollten auch unsere tierischen Mitgeschöpfe geladen sein!

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Elftes Kläppchen

Süßer die Glocken nie klingen … Im Klartext: Schmeichlerischer, verlogener die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit; oder: Kling Glöckchen kling, sing Circe sing.

Kommissar Zaungast nimmt das kleine Glöckchen aus dem elften Türchen und lässt den Klöppel gegen die Glockenwand schwingen. „Nein, mir machst du nichts vor“, sagt er, „deine vornehmste Aufgabe ist es, zum Takt der Werbetrommel all den Einkaufsschlangen an den Registrierkassen der Warenhäuser die richtigen Flötentöne beizubringen. Klingende Glocken für klingende Münzen, ob nun in den Kassen der Konsumtempel oder im Klingelbeutel der Kirchenkollekte. Schäm dich! Da lob ich mir doch die Totenglocke. Sie ist die ehrlichste unter euch Glocken. Und ihrer ist auch das letzte Wort. Amen.

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Zehntes Kläppchen

‚Schau an, ein Zettel‘, denkt sich Kommissar Zaungast. Er liest: „Lieber Herr Kommissar, einige Erwachsene und auch einige meiner Freundinnen sagen: es gibt keinen Weihnachtsmann. Stimmt das? Liebe Weihnachtsgrüße, Mary.“

Zaungast wundert sich, macht das Wort ‚Lieber‘ mit schwarzem Filzstift unkenntlich und schreibt seinerseits auf ein Blatt Papier:

Liebe Mary, aber natürlich gibt es einen Weihnachtsmann. An den folgenden Eigenschaften kannst Du ihn erkennen. Er rülpst, popelt sich den Schleim aus der Nase, er stinkt, lässt am Frühstückstisch ungeniert seine Winde streichen, während er seine Blicke begehrlich über Deinen jungen Körper gleiten lässt. Er ist ein Klugscheißer und Besserwisser, ein Schmutzfink, wie er im Buche steht, hässlich und haarig, er nuckelt entweder an der Bierflasche oder an der Zigarette. Er ist ein Lügenbaron und ein Untugendbold. Er schnarcht beim Schlafen und schmatzt beim Essen, und hinterher stochert er sich die Essensreste aus den Zähnen, und wenn gerade niemand hinschaut, spuckt er sie einfach auf den Boden. Er hat Schweißfüße und Mund- und Achselgeruch, pinkelt an jeden Baum wie ein Hund. Und obwohl er Dein Vater ist, sind seine Gelüste, auch oder gerade was Dich betrifft, eher die eines Katers. Die Frage ist nur, ob er Dich als seine Mieze oder als sein Mäuschen ansieht. Väter der ersteren Kategorie landen gewöhnlich bei meinen Kolleginnen und Kollegen von der Sitte, die der zweiten Kategorie landen direkt bei der Mordkommission, bei mir, Kommissar Zaungast. Ja, liebe Mary, du siehst, es gibt einen Weihnachtsmann, ja, es gibt viele, viel zu viele von diesen Weihnachtsmännern.

P.S.: Es kann aber auch Dein Opa, Dein Lehrer oder der Herr Pastor sein. Schöne Bescherung! Kommissar Zaungast.

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Neuntes Kläppchen

Eine Miniaturbibel. Zaungast denkt sich: Heilige Schrift, Bibel, Buch der Bücher, das futuristische Manifest des Widernatürlichen. In Jahrzehnten oder Jahrhunderten zu anarchischer Vollendung herangereift in kranken Hirnen, dann im Fieberwahn aufs Papier gebannt, verlogen in seinen Aussagen, vermessen in seinen Prophezeihungen, offen für alle Deutungen. Dieses Buch hat Unheil gestiftet, hat Leid hervorgerufen wie kein zweites aus dem christlichen Kulturkreis.

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Achtes Kläppchen

‚Ah, wie sinnig‘, denkt sich Zaungast, ‚eine Tretmühle, das Symbol für die Weihnachtshatz, das Hamstern, den Konsumzwang.‘

Und im Wettlauf mit den eigenen, zu Weihnachten besonders hoch geschraubten Ansprüchen, gerät so mancher ins Stolpern in seiner ganz persönlichen Tretmühle, stolpert vielleicht in Neid und Missgunst hinein, oder wird von krankhaft übersteigertem Ehrgeiz durch die Mühle getrieben. Die mehr kontemplativ Veranlagten hingegen suchen ihr Heil vorzugsweise in der Gebetsmühle und kehren der Tretmühle menschlichen Emporstrebens und Konsumierens den Rücken zu. Ob sie aber ihr Heil dort finden werden? Zaungast hegt da seine Zweifel.

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Siebtes Kläppchen

Tatsächlich, da ist er, aus Schokolade. Sankt Nikolaus, der Weihnachtsmann. Mit Coca Cola getauft, der geschmacklichen Sternschnuppe, der sprudelnden Illusion von Frische, wenn es direkt aus der Flasche in eine dürstende Kehle rinnt. Nach zehn Sekunden im Glas schmeckts wie kalter Kaffee, nach zwanzig Sekunden wie faule Eier.

Sankt Nikolaus, der Apostel des Überflüssigen und des Überflusses, der erste Botschafter des ‚American Way Of Life‘, der Agent der Süß- und Spielwarenindustrie, der zudem noch gemeinsam mit seinem schwarzen Adlatus Ruprecht für ein botmäßiges Betragen der lieben Kleinen sorgen soll. Neuerdings kann man ihn sogar mieten bei diversen Werbeagenturen und Veranstaltern, beziehungsweise Organisatoren von Events, wie der schauderhafte moderne Anglizismus lautet. Der alte Gauner ist also auch noch bestechlich geworden.

„Die ganze Figur ist so falsch wie sein angeklebter Bart“, sagt sich Zaungast, „eine Larve, wie alles, was uns auf den ersten Blick als schön und anziehend erscheint.“

Sechstes Kläppchen

„Es sollte mich wundern, wenn heute am Nikolaustag nicht der Weihnachtsmann … nein … er hat nur seinen Stiefel hingestellt“, zeigt sich Zaungast ein wenig enttäuscht, als er das sechste Türchen geöffnet hat.

Ja, der Stiefel, dieses furchtbare Symbol der Knechtschaft, Dominanz und Unterdrückung, außerdem ein bevorzugtes Objekt von Sex-Fetischisten und Weihnachtsmännern sowie Schrittmacher für das uniforme Getrampel der Soldateska, wie geschaffen dafür, jemand in den Arsch zu treten. Das ideale Schuhwerk für bocksfüßiges Gesindel, denn wie kein anderes Exponat der Schuhmacherkunst vermag er in seiner ledernen Tiefe den Pferdefuß zu verbergen. Zu Weihnachten verlarvt er sich biedermännisch in einen Geschenkstiefel, und auch als solcher trägt er einen Pferdefuß in sich. Denn was ist ein Geschenk anderes als ein besonders hinterhältiges, perfides Mittel, sich selbst auf den Kothurn menschlicher Größe zu erheben, gleichzeitig aber den Beschenkten damit zu demütigen?

„Ich scheiß ihm in den Stiefel“, sagt Kommissar Zaungast, „denn der ehrlichste Stiefel ist und bleibt nun mal der Stinkstiefel. Also dann … morgen kommt der Weihnachtsmann. Kommt er oder kommt er nicht?

Abwarten, Herr Kommissar.

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Fünftes Kläppchen

Fünfter Dezember. Der Tag vor Nikolaus. Zaungast schaut hinter das Kläppchen und entdeckt dort ein Kondom, Sinnbild für Sicherheit, Freiheit und unbefleckter Reinheit, vor allem auch Sinnbild für die uneingeschränkte Freiheit der Liebe. Und das bevorstehende Weihnachtsfest gilt ja nun mal als das Fest der Liebe.

Die Weihnachtslogistik um den rot(z)nasigen Rudolph erhielt heuer den Auftrag, umfangreiche Bestände an Kondomen an die nordafrikanische Küste zu liefern, um so ungesteuerter Massenmigration nach Europa vorzubeugen. ‚Wären da nicht ein paar Heckenscheren sinnvoller?‘ denkt sich der Radikalist Zaungast.

Viertes Kläppchen

‚Höchste Zeit, dass ich hier auch mal was zu mampfen finde‘, denkt sich Zaungast, als er erwartungsfroh das vierte Türchen öffnet.

Pustekuchen! Kuchen … ja … Zaungasts Lieblingskuchen sogar, und zudem ein großes Stück davon. Aber halt Pustekuchen. Rein geistige Nahrung also. Pustekuchen, das probate Antidoton gegen die Droge Illusion. Es generiert desillusionierende, befreiende Rülpser, die Hoffnungen, Erwartungen und Überzeugungen gnadenlos hinwegpusten.

Weihnachten … Friede, Freude … Pustekuchen.

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Drittes Kläppchen

Zaungast öffnet das dritte Kläppchen. Ah, ein Fettnäpfchen. Aber das rührt er besser nicht an, da bleibt er doch lieber ganz Zaungast. Obwohl die Dinger doch so außerordentlich … äh … einladend wirken. Und die Tendenz, da hinein zu greifen oder hinein zu treten, die nimmt zur Weihnachtszeit ganz unzweifelhaft zu, weil ein jeder sich von seiner besten Seite zeigen möchte, und das kann nun mal nicht gut gehen. Denn erstens differiert die Ansicht des sich hier scheinbar so vorteilhaft Präsentierenden grundlegend mit der Ansicht des außenstehenden Betrachters, und zweitens schmilzt die mühsam aufgetragene Kuvertüre auch der besten sogenannten Schokoladenseite schnell dahin, wenn sie von den missgünstigen Blicken der lieben Nächsten bestrichen wird, oder wenn Lästerzungen sie belecken. Wer also seine Finger in den Topf mit der Kuvertüre steckt, um sich von seiner Schokoladenseite zu zeigen, der tritt zwangsläufig auch ins Fettnäpfchen, meint jedenfalls Kommissar Zaungast.

Zweites Kläppchen.

Zaungast öffnet das zweite Kläppchen und heraus fällt eine Miniatur aus einem Modelleisenbahn-Diorama. Modelleisenbahn und nostalgische Weihnacht gehören doch irgendwie zusammen, denkt sich der Kommissar. Aber was für ein Objekt ist es? Eine Litfaßsäule? Nein. Ein Bierfass? Auch nicht. Aha, gar nichts Nostalgisches. Ein Poller! Sicherheit ist schließlich das oberste Gebot. Den Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt will man sich doch in unbeschwerter Sorglosigkeit einschlabbern. Ein Prosit der Gemütlichkeit! Viel Vergnügen auf den Weihnachtsmärkten wünscht Kommissar Zaungast.

Erstes Kläppchen

Kommissar Zaungast öffnet das erste Kläppchen und findet dahinter – passend zum ersten Adventssonntag – eine Kerze vor. Was wird diesem wächsernen Phallus von der durch den Dunstkreis des eigenen Symbolismus benebelten christlichen Hermeneutik nicht alles an vermeintlichem Sinn untergejubelt. Das Wachs soll den Leib Christi versinnbildlichen, der Docht die dem Körper innewohnende Seele, die Flamme soll leuchtender Ausdruck der Gottheit sein. Auf das Naheliegendste sind die christlichen Exegeten wohl nicht gekommen.

Zaungast zündet die Kerze an und lässt sie bis auf einen Stumpf niederbrennen. In schwarzen Rauch aufgelöst hat sich die ganze Symbolik der Erklärer und Ausdeuter. Und Zaungast nimmt sich des Stumpfes nun selbst als Hermeneutiker an: „Es ist die Flamme der Ironie, die den Dingen auf den Grund leuchtet, die sie auf ihr wahres Maß zurecht stutzt; auf den Stumpf, den wir verstehen, begreifen können, denn alles, was über ihn hinausragt, fällt in den Bereich der spekulativen Induktion, für die unser Verstand nicht ausgelegt ist. Es lebe die Abgestumpftheit, der Stumpfsinn in seines Wortes ureigenster Bedeutung. Unser täglich Maß gib uns heute wie für immer und für alle Zeiten. Amen.

Kommissar Zaungast wünscht allen einen schönen Advent!

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Advent, Advent, ein Irrlicht brennt. Einstimmung auf Zaungasts Adventskalender.

Kommissar Zaungast: „Aus den Lichterketten, die in der Adventszeit unsere Städte, Dörfer und Häuser schmücken, spricht der Geist von Las Vegas aber nie und nimmer der Geist von Bethlehem.“

Weihnachten ist beileibe nicht das, was es eigentlich sein sollte. Es ist eben nicht das Fest der anheimelnden Stille, der nach innen gerichteten Kontemplation. Es ist ein Sturm ungeistigen Aufruhrs, ein Gewitter konsumorientierter Unrast inmitten winterlichen Friedens, dieses … unser Weihnachten.

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Kommissar Zaungast ist Polizist, Kriminaler. Ein Bulle von Statur und Gemütsart. Unsentimental, verwegen und schlagkräftig. Nur zur Weihnachts- und Adventszeit, wenn sich die Reklamecirce am schändlichsten prostituiert, dann überkommt den Kommissar so ein Bedürfnis nach kontemplativer Verinnerlichung. Wenn also draußen der Konsumwind rauscht, wenn die Furie der Begierden und frommen Wünsche erbarmungslos an den Knöpfen, Reiß- und Klettverschlüssen unserer Geldbörsen zerrt, dann gestattet sich Zaungast die Sentimentalität eines Devotionalien- bzw. Adventskalenders.

Angefangen mit dem ersten Advent öffnen wir an dieser Stelle täglich ein Kläppchen aus Zaungasts satirischem Adventskalender.